Top Tipps fürs Biwakieren

Top Tipps fürs Biwakieren

Text: Tom Livingstone & Uisdean Hawthorn

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Biwakieren am Berg ist ein zweischneidiges Schwert. Es kann zu einem unvergesslichen Erlebnis unter den Sternen oder zum schlaflosen Höllentrip im Schneesturm werden. Deshalb haben wir hier ein paar Tipps von unseren Athleten Tom Livingstone und Uisdean Hawthorn zusammengestellt, die dich perfekt auf deine nächste Biwaknacht vorbereiten.

 

Biwakieren in den Bergen hat viele Gesichter. Sie reichen von einer erholsamen Nacht bis zum schlaflosen Albtraum. Wann immer es geht, sollte ein Biwak in den Bergen vermieden werden! Es macht ohnehin mehr Spaß, mit wenig Gewicht und kleinem Rucksack unterwegs zu sein. Lange, alpine Routen sind aber oft nicht an einem Tag zu schaffen, gerade wenn du in unbekanntem Gelände unterwegs bist und nicht weißt, was dich erwartet. Man will ja nicht aufgeben, nur weil Zeit und Kräfte für einen Single-Push ausgehen… Eine Biwaknacht kann hier extra Zeit und Energie verschaffen.

5 TIPPS FÜR DAS PERFEKTE BIWAK

1. Die Vorstellung ist schlimmer als die Nacht selbst!

Oft sind Biwaks halb so schlimm, wie man denkt. Du wirst überrascht sein, mit was du fertig werden kannst. Kein Schlafsack oder keine Matte dabei? Deine warme Jacke nicht eingepackt oder gar verloren? Am Ende wird meist alles gut. Irgendwann geht die Sonne auf und damit kommt die Erleichterung. Der Gedanke an die Nacht ist in der Regel schlimmer als die Nacht selbst.

2. Wähle die passende Ausrüstung!

Es ist wichtig, den passenden Schlafsack und die geeignete Matte nach Wettervorhersage, Bedingungen und Route auszuwählen. Sommer in Patagonien? Eine warme Jacke und das Seil als Unterlage sollten ausreichen. Winter in den Alpen? Ein dünner Schlafsack und die Polsterung des Rucksacks könnten je nach Temperatur genug sein. Ich habe meistens ein kleines Stück Schaumstoff dabei, das ich “Leidenskissen“ nenne und an meine Selbstsicherung klippe. Meine Füße packe ich einfach in den Rucksack. Im Winter nehme ich einen dünnen Schlafsack mit (z.B. den Fireflash oder Firefly). Auch ein Befestigungskit für den Kocher ist hilfreich, damit er am nächsten Morgen noch da ist.

3. Es kommt auf die Einstellung an!

Ob die Nacht zu einem unvergesslichen Erlebnis oder zum Höllentrip wird, hängt zum großen Teil von deiner Einstellung ab. Nehme die Bedingungen an, genieße die Aussicht und versuche nicht, zwanghaft einschlafen zu wollen. Gerüchten zufolge gibt es Leute wie Pete Graham, die Biwaks lieben und genießen!

4. Spare Gewicht!

Im Alpinismus kommt es oft auf jedes Gramm an. Bei der Wahl des Biwaksystems kannst du ordentlich Gewicht sparen. Hol dir das leichteste und leistungsfähigste System, teste es und wähle dann je nach Erfahrung die richtige Kombination von Matte und Schlafsack. In einigen Fällen ist ein Einwandzelt das wärmste und leichteste System.

5. Vermeide Biwaks!

Die besten Biwaknächte sind die, die man in einer Hütte oder im eigenen Bett verbringt. Verbessere deine Fitness, klettere effizienter und spare dir das Biwak!

TIPPS FÜR EINE KOMFORTABLE BIWAKNACHT

• Bei der Wahl des Biwakplatzes ist viel Vorsicht geboten. Am besten ist ein ebener Absatz, bei dem du vor Wind und herabfallenden Felsen, Eis, Bäumen, u.a. geschützt bist.

• Suche oder mache dir ein ebenes Plätzchen. Bei Bedarf kannst du die Fläche mit unterschiedlichsten Dingen, wie Steinen, Schnee, Eis, Rucksack oder Hängematte vergrößern.

• Baue einen soliden Standplatz, an dem du dich und dein Material sichern kannst. Daran kannst du auch deinen Kocher aufhängen.

• Besorge dir ein Aufhängeset für den Kocher.

• Musik hilft beim Einschlafen und Aufwachen.

• Nehme Ersatzsocken mit. Deine feuchte Socken kannst du direkt am Körper unter deinem Baselayer trocknen.

• Mache deine Schuhe auf und bewege deine Zehen.

• Fausthandschuhe wie die Citadel Mitts wärmen in kalten Nächten – im Notfall auch deine Füße.

• Handwärmer sind super!

• Wenn du eine sehr warme Jacke dabei hast, kannst du einen leichteren Schlafsack mitnehmen.

DIE BESTEN BIWAKS VON TOM LIVINGSTONE

1. Das dritte Biwak am Nordgrat des Latok I (7145m), mit Aleš Česen und Luka Straža: Als wir endlich das Zelt auf einer Schneefläche aufgestellt hatten, krochen wir in den eigens für uns angefertigten Doppelschlafsack und hatten einen wunderbaren Schlaf.

2. Das Biwak auf der House/Anderson Route, Mt. Alberta, Kanadische Rocky Mountains, mit Uisdean Hawthorn: Auf halber Höhe zum Gipfel gibt es eine kleine Höhle im Fels, in der man sogar ohne Klettergurt herumlaufen kann.

3. Das zweite Biwak bei der Winterbesteigung des Walkerpfeilers, Grandes Jorasses mit Pete Graham: Das war ein Sitzbiwak (wie alle besten / schlimmsten Biwaks!) und hat echt Spaß gemacht – allerdings vor allem rückblickend…

DAS SCHLIMMSTE BIWAK VON TOM LIVINGSTONE

“Akklimatisierung” während einer Nacht auf 5180m am Denali mit Uisdean Hawthorn. Ich habe kaum geschlafen, es hatte vermutlich -38°C…

DAS BESTE BIWAK VON UISDEAN HAWTHORN

Die dritte Biwaknacht während der Erstbesteigung von „Gandiva“ am Arjuna (6100m) im indischen Himalaya: Wir biwakierten im Sitzen in einer Rinne mit den Füßen über dem Abgrund baumelnd. Pete Graham, Ben Silvestre und ich schliefen den Umständen entsprechend echt gut – wahrscheinlich, weil wir zu diesem Zeitpunkt schon sehr erschöpft waren. Der Hauptgrund, warum es mein Lieblingsbiwak ist, ist das wunderschöne Erlebnis, als die Morgensonne den Brammah II langsam in ihr warmes Licht tauchte – ein Bild, das ich niemals vergessen werde.

DAS SCHLIMMSTE BIWAK VON UISDEAN HAWTHORN

Nachdem Tom Livingstone und ich die „American Direct“ geklettert waren, erreichten wir um 3 Uhr morgens den Charpoua Gletscher. Zu diesem Zeitpunkt waren wir seit 24 Stunden unterwegs. Leider konnten wir keinen sicheren Weg über die Gletscherspalten finden und mussten ohne Biwakausrüstung auf einem Fels übernachten und auf den Sonnenaufgang warten. Sobald es hell genug war, haben wir die Charpua Hütte in weniger als 20 Minuten erreicht. Ich habe zwar schon längere und kältere Biwaknächte verbracht, aber zu wissen, dass die warme Hütte so nah ist, während wir uns die Ä… abgefroren haben, war mental echt hart.

 

Denke daran: Es ist alles halb so schlimm! Die Nacht wird vorbeigehen. Nach einem guten Biwak steigt man voller Motivation in die Route ein, nach einem schlechten würde man am liebsten Abseilen oder Absteigen.

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Knowhow, Team