Klettern auf Sardinien

Sardinien sollte ganz oben auf der Wunschliste jedes Kletterers stehen. Die italienische Insel bietet beste Felsqualität für jeden Geschmack: Bouldern, Sportklettern, alpines Sportklettern, lange Abenteuerrouten und sogar Deep Water Soloing. Das Angebot wird abgerundet mit reichlich Sonne, wunderschönen Traumküsten und leckerem Essen. In den vergangenen Jahren wurde viel in den Ausbau von existierenden und neuen Gebieten gesteckt – mit Routen in allen Schwierigkeitsgraden.

Wilkommen in Ogliastra

Cala Gonone, wo wir schon bei einem früheren Besuch waren, ist wahrscheinlich das bekannteste Klettergebiet auf Sardinien. Diesmal wollten wir die neueren Felsen von Ogliastra auschecken – und wurden nicht enttäuscht. Die Kletterei ist vielfältig und man hat ein Gefühl von Unberührtheit, denn sogar die besten Routen haben noch nicht viele Besteigungen auf dem Buckel. Oft hatten wir einen Sektor ganz für uns alleine. Wir waren nur ein paar Tage auf der Insel und wollten möglichst viele unterschiedliche Gebiete besuchen.

Pedra Longa

Baunei liegt am nächsten zu Lotzorei und bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Routen. Baunei liegt am nächsten zu Lotzorei und bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Routen. Die spektakuläre Felsnadel Pedra Longa ragt aus dem glasklaren, sardischen Meer heraus. In der Hochsaison im Sommer sieht es wahrscheinlich anders aus, aber in der Nebensaison ist es dort idyllisch und ruhig, mit idealen Temperaturen zum Klettern und Baden. Der Turm hat nur ein paar Routen, unter anderem „Marinaio di Foresta“, die mit 6a+ leichtere und öfter gekletterte Tour. Wir entschieden uns für „Marco“, eine 7a, die sich um einiges schwerer anfühlte als erwartet, vor allem als es schattig und windig wurde.
Marco, 7A, 5 Seillängen, Pedra Longa
Die neuere Route an der Pedra Longa bietet schöne, etwas scharfe Kletterei in atemberaubender Lage über dem Meer. Die Seillänge mit der Schlüsselstelle ist weitaus schwerer als die Kletterei davor und danach. Für den Zustieg muss man auf die Nadel kraxeln und sich vorsichtig in die Route abseilen.

Monte Oro

Monte Oro war ein Muss, da es das nächstgelegene Gebiet war und mit seiner imposanten Lage, hoch über dem Meer, ins Auge sticht. Nachdem wir große Mühen hatten den mit Schlaglöchern gespickten Zufahrtsweg hochzufahren, würden wir empfehlen, das Mietauto unten zu parken. Das war der perfekte Ort, um ein paar leichtere Routen bester Qualität zu klettern, was uns mit unseren aufgepumpten Armen von Ulassai mehr als entgegenkam.
39.5°C, 6B+, Monte Oro
Eine der durchgehend gut eingebohrten Routen an dieser Wand mit großzügigen Griffen und gutem Fels.

Su Casteddu

Ulassai liegt im Landesinneren und etwas höher als Lotzorai, wo wir uns für den Trip niedergelassen hatten. Der kleine Bergort hat großes Potenzial zu einem eigenständigen Kletterziel zu werden. In den vergangenen Jahren wurden hier Weltklasse-Sportkletterrouten eingebohrt. Wir waren überwältigt, als wir das erste Mal nach Su Casteddu aufstiegen und die steilen Kalkwände sahen, die es leicht mit den bekannten spanischen und französischen Gebieten aufnehmen können und hoch über der Stadt thronen. Wir verbrachten ein paar sonnige Tage in dem sehr ruhigen Gebiet mit vielseitigen, großartigen Routen und nur ein paar anderen, sehr freundlichen Kletterern.
Skyfall, 7C, Su Casteddu
Diese Route fiel uns sofort ins Auge: Atemberaubende, technische Kletterei an einem wunderschönen Fels in fantastischer Lage.
Anfahrt & Unterkunft

Da Sardinien ein beliebtes Ferienziel ist, ist es recht leicht zu erreichen. Zahlreiche Flüge steuern die Insel an, in der Nebensaison etwas sind es weniger. Wir sind nach Cagliari im Süden geflogen und haben uns einen relativ günstigen Mietwagen genommen. Ohne eigenes Auto sind die meisten Gebiete unserer Meinung nach schwer erreichbar.

Es gibt ein großes Angebot an Unterkünften. Wir empfehlen das Lemonhouse in Lotzorai. Das Bed & Breakfast hat eine perfekte Lage, um das Ogliastra zu erkunden und serviert das beste Frühstück weit und breit. Der italienische Fotograf und Kletterer Riky Felderer ist ein sympathischer Gastgeber, der euch voller Enthusiasmus mit allen Informationen versorgt, die ihr braucht.

Essengehen ist nicht teuer und wenn man ein wenig herumfragt, findet man fantastische Restaurants. Dabei sind die eher unscheinbaren Trattorias, Pizzerias und Ristorantes oft die besten.

Ausrüstung
Wenn ihr hauptsächlich zum Sportklettern nach Sardinien fahrt, reichen ein 60- oder 70-Meterseil und reichlich Exen. Wir hatten auch noch ein Set Halbseile für die längeren Routen dabei. Das ist empfehlenswert, wenn ihr mehrere Mehrseillängenrouten machen wollt. Ein guter Kompromiss könnte auch sein, ein Halbseil als Ergänzung zu eurem Sportkletterseil einzupacken. Wir hatten auch ein kleines Set Cams und Keile dabei, die wir am Ende aber nicht benötigt haben. In Ogliastra gibt es auch ein paar Gebiete mit traditionellen Routen.