3x Mont Blanc | Raphaela Haug

Sommer 2020: Die Reisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie werden mehr und mehr gelockert. Für viele Bergsportler geht es endlich wieder los, raus und rauf auf die Berge - ein Erlebnis, dass sie jetzt viel mehr zu schätzen wissen. Genauso geht es auch Raphaela Haug, die sich letztes Jahr einen ganz besonderen Gipfeltraum erfüllt hat: Mont Blanc - und zwar drei Mal:

 

Nach einer beeindruckenden Besteigung in einem einzigen Tag - mit Abstieg per Gleitschirm - bekommt sie im Sommer 2020 trotz der kurzen Hochtourensaison die Chance auf zwei weitere Gipfelbesteigungen.

 

Erfahrung.

In unserer Alpinkletter-Kollektion steckt unsere Erfahrung aus über 60 Jahren an den Bergen der Welt. Diese Produkte sind gemacht für den Einsatz an hohen Granitwänden und langen Sommertagen.

 

Foto: Tom Livingstone and Robert Grasegger im Abstieg vom Mont Blanc, den sie zuvor über die Route Peuterey Integral bestiegen haben (Fotograf: Uisdean Hawthorn).

 

Route 1: Hoch und runter in 36.000 Sekunden

Kennst du das? Du sagst etwas zu, bist voll motiviert, aber trotzdem nicht so ganz sicher, ob das alles eine so gute Idee war. So geht es mir, als wir am Parkplatz in Les Houches ankommen.

 

Wir sind direkt von Innsbruck in Österreich nach Chamonix in Frankreich gefahren und befinden uns jetzt am Ausgangspunkt zum Mont Blanc auf 1.000 Meter. Vor uns liegen 3.800 Höhenmeter! Ich habe keine Ahnung, ob ich jemals schon so viele Höhenmeter an einem Stück gegangen bin. „Vielleicht sprichst du das jetzt lieber mal nicht an“, denke ich mir, „konzentriere dich lieber darauf, dass wir alles Wichtige mitnehmen.“

 

Fotos: Tommy Friedrich.

 

Wir komprimieren unsere Schirme, packen Rettung und Gurtzeug ein. Checken die Gletscherausrüstung, nehmen ausreichend Essen und Trinken mit. Als wir fertig sind, grinsen wir uns an. Irgendwie ist das alles surreal. Ich meine, gerade eben gab es noch Lasagne und keine sieben Stunden später stehen wir in Chamonix. Bereit meinem persönlichen Traum ein Stück näher zu kommen! Der Traum, der seit einigen Jahren in meinem Kopf ist.

 

Wir starten um 23 Uhr in Les Houches. Somit haben wir genügend Zeit, können die ganze Nacht durchlaufen und hoffentlich in der Früh wieder ins Tal fliegen. Ich mag es, nachts zu laufen, da kann man wunderbar seinen Gedanken nachhängen und kommt gefühlt immer viel schneller voran. Je weiter wir raufkommen, desto schöner wird der Sternenhimmel. Unter uns leuchtet das Lichtermeer von Les Houches, in der Ferne ist Chamonix zu sehen.

 

...

 

Route 2: Innominata Grat

Lebe deine Träume! Das dachte ich mir nicht nur für meine erste Mont Blanc Besteigung, an einem Tag und mit Gleitschirm - es ist das Motto für das ganze letzte verrückte Jahr 2020. Nachdem wir im Juni vom höchsten Punkt Europas mit unseren Gleitschirmen starten können, habe ich noch etwas freie Zeit. Und der Wetterbericht ist vielversprechend. Wir studieren verschiedene Routen, checken nochmal die Wettervorhersagen und informieren uns über die Verhältnisse. Mont Blanc, wir kommen - wieder!

 

Dieses Mal begleitet mich Martin Schidlowski. Wir haben uns die Südseite des Mont Blanc ausgesucht, sie wird auch die wilde Seite genannt. Hier gibt es keine Lifte, die den Aufstieg verkürzen. Du musst dir jeden einzelnen Höhenmeter selbst verdienen. Der Innominata Grat gilt als wilde, ausgesetzte und ernsthafte Kletterei, 1000 Meter, D+, V+, 60°. Es ist eine wunderschöne Route mit Fels, Eis und Schnee - durchaus luftig, meist im kompakten Fels und definitiv mit fantastischem Ausblick!

 

Fotos: Martin Schidlowski , Raphaela Haug.

 

Martin und ich starten früh, denn die Sonne erhöht das Steinschlagrisiko im Aufstieg - und außerdem ist ein Sonnenaufgang in den Bergen immer etwas ganz besonderes! Wir kommen schnell voran, meistens klettern wir am laufenden Seil, nur wenige Seillängen müssen wir sichern. Und dann gibt es den Lohn für die Mühen und das frühe Aufstehen: Wir stehen am Gipfel des Mont Blanc! Danke, Martin, für diesen wunderbaren Bergtag!

 

Route 3: Freney Pfeiler

Was kann nach der zweiten Mont Blanc Besteigung noch kommen? Klar, die dritte. Wieder über die Südseite, wieder über eine fantastische Route. Dieses Mal mit Laura Tiefenthaler. Unser Ziel ist der Freney Pfeiler - laut Tourenführer "eine der großartigsten alpinen Routen". Das klingt definitiv vielversprechend!

 

Genauso wie beim Innominata Grat startet diese Route am Eccles Biwak - und genauso früh. Der Wecker reißt uns um 2 Uhr morgens aus dem Schlaf. Aufstehen, etwas essen und los geht's. Im Dunkeln traversieren wir zum Freney Gletscher. Der Nebel hüllt uns ein und die Orientierung wird immer schwieriger. Wir suchen und suchen, bis wir uns eingestehen müssen, dass wir den Einstieg in Nebel und Dunkelheit nicht finden. Ok, warten wir auf das Tageslicht.

 

Fotos: Laura Tiefenthaler, Raphaela Haug.

 

Wir treffen noch zwei weitere Seilschaften, die heute den Freney Pfeiler machen wollen. Mit dem ersten Tageslicht steigen wir in die Route ein. Es geht gut, Seillänge für Seillänge, mal fester Fels, mal Brösel. Manche Passagen sind noch eisig, andere dafür ein Genuss mit Kletterschuhen! Am frühen Nachmittag kommen wir an die Schlüsselstelle. Hier warten zwei bis drei Seillängen im Schwierigkeitsgrad 7a/7a+. Ich darf die erste Seillänge machen, ein wunderbarer Riss - Freiklettern auf 4000m! Laura übernimmt den folgenden Quergang und die nächste Seillänge. In der dritten Seillänge müssen wir beide in die Trickkiste greifen, dennoch ist es eine beeindruckende Kletterei, mit noch beeindruckender Aussicht. Ab da sind es nur noch wenige Meter, es ist jetzt später Nachmittag. Als wir oben ankommen, stehen wir im kompletten Whiteout - aber mehr als glücklich - am Gipfel. Wir entscheiden uns für eine weitere (schlaflose) Biwaknacht im Vallot Biwak und steigen am nächsten Tag über Nid d'Aigle und ab dort mit Seilbahnunterstützung ab.

 

Das dritte Mal am Mont Blanc! Und auch diese Tour war alle Anstrengung wert! Vielen Dank, Laura, für diesen unvergesslichen Tag, ich hoffe es kommen noch viele weitere solche Touren!

 

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Unsere Lieblingsbekleidung und -ausrüstung für lange alpine Routen im sonnigen Granit:

 

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