Genusskletterei im Hagel? | Piz Badile Nordwand

Genusskletterei im Hagel? | Piz Badile Nordwand

Text & Fotos: Silvan Metz 
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Silvan Metz aus dem Mountain Equipment Team war im Sommer 2018 zum Klettern am Piz Badile. Die Saison dort geht dort oft erst im Juli los, wenn der Schnee bis zum Einstieg weggeschmolzen ist. 

„Eigentlich erwarten wir von der „Cassin“ in der Piz Badile Nordwand nur eine schöne, nicht zu schwere Genusskletterei über die großen Plattenfluchten. Doch wieder einmal müssen wir lernen, dass das Wetter einen eigenen Kopf hat.

Das Bondascatal ist nach dem bekannten Bergsturz am Cengalo immer noch gesperrt. Stattdessen entscheiden wir uns für den langen Zustieg aus dem Val Masino. Als wir über zwei Pässe zur Hütte stolpern, verspricht nicht nur der Wetterbericht, sondern auch der strahlend blaue Himmel einen schönen nächsten Bergtag.

Am nächsten Morgen sehen wir statt einem Sternenhimmel allerdings nur Wolken. Wird schon noch. Denken wir zumindest. Inwiefern solche Einschätzungen von bis dahin bewältigten Zustiegen beeinflusst werden, wird wohl für immer nur Inhalt vager Spekulationen bleiben…

Natürlich reißt es nicht mehr auf, der Fels bleibt nass und klitschig, stattdessen beginnt es später zu regnen und zuletzt auch zu hageln. Was als gemütliche Tour geplant war, wird nun zu einem kalten, rutschigen Eiertanz. Seillänge um Seillänge geht es nach oben, besonders die Wurzelkamine entpuppen sich als sehr eindrucksvolle Stemmerei. Rucksack abnehmen ist hier Pflicht.

Immer mehr Klamotten finden den Weg aus dem Rucksack und in die Nässe. Als wir am Gipfelgrat aussteigen, können wir gerade noch sehen, wie ein besonders starker Regenschauer in nur wenigen Minuten einen großen Sturzbach in die Wurzelkamine schickt. Da sind wir gerade noch davongekommen! Am Gipfel halten wir uns nicht lange auf und seilen durch den dichten Nebel auf die Südseite ab. Dabei kommen wir wieder einmal zur Erkenntnis, dass es egal ist, ob man das Tube direkt oder verlängert einhängt: Abseilen an klatschnassen Seilen ist und bleibt immer ziemlich weit unten auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen.

Am Wandfuß angekommen reißt es dann tatsächlich auf, wie zum Trost. Oder zur Verhöhnung? Immerhin können wir den Kuchen an der Gianettihütte so doch noch auf der Terrasse genießen.

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Klettern, Silvan Metz