Vom Winde Verweht | Xari Mayr Auf Expedition Am Ogre III

Geschrieben von Xari Mayr

 

August 2017, Pakistan

Gespannt sitzen wir im Basislager vor unserem Sat Phone und lauschen der Stimme am anderen Ende der Leitung. Das Wetter soll wieder stabiler werden, verkündet unser Meteorologe Charly Gabel, aber der Sturm in der Höhe bleibt euch. Wir wissen, dass das mit großer Wahrscheinlichkeit unsere letzte Chance auf den Gipfel sein wird und brechen auf.

Ende August mache ich mich zusammen mit Rainer Treppte und Fritz Miller auf den Weg nach Pakistan um den 6950 Meter hohen Ogre III zu besteigen. Nach unserer Ankunft in Islamabad geht es zügig weiter nach Askole im Shigar Tal, der letzten Ortschaft vor dem endlosen Meer der Gletscher und Gipfel des Karakorum. In Askole angekommen machen Koch Ali, Küchenjunge Musa und Offizier Shakoor unser Team komplett. Am neunten Tag unserer Reise im Flugzeug, auf Schotterpisten im Jeep und zu Fuß erreichen wir unser Basecamp auf 4400 Metern Höhe.

Im Base Camp angekommen beginnen wir gleich mit der Akklimatisation und der Arbeit am Berg. Der Ogre III wurde, trotz einiger Besteigungsversuche, erst 2001 von Thomas Huber und Iwan Wolf über den Südpfeiler erstbestiegen. Wir wählen für unseren Aufstieg ebenfalls die Route über den Südpfeiler, eine wunderbare Linie, direkt und steil. Im ersten Teil des Anstieges will ein ziemlich spaltiger Gletscherbruch überwunden werden, den wir teils mit Fixseilen versichern. Am Ende des Spaltenlabyrinths auf 5200 Metern errichten wir unser erstes Lager.

Sonniges, stabiles Wetter. Fritz und ich steigen über die steile Firnrinne Richtung geplantes Lager II auf, das letzte Stück bis zum Sattel wühlen wir durch tiefen Schnee. Rainer bleibt im BC zurück, da es ihm nicht so gut geht…[Auszug aus dem Expeditionstagebuch].

Lager II errichten wir relativ exponiert auf 6050 Meter, am Beginn des Pfeilers. Nach einer Nacht in der Höhe steigen wir zuversichtlich ins Basislager ab. Wir fühlen uns ausreichend akklimatisiert und sind glücklich, dass wir am Berg vorankommen.

Vom Base Camp aus starten wir den ersten Versuch den Gipfel zu erreichen. Dieser findet ein jähes Ende im Lager II. Der Sturm und Schneefall der letzten Tage hat das Zelt umgelegt und das Wetter verschlechtert sich wieder deutlich. Zurück im Basislager ist uns klar, dass die Zeit vor Ort langsam knapp wird.

Als die nächste Wetterbesserung in Aussicht ist machen wir uns erneut an den Aufstieg. Uns ist bewusst, dass es unsere letzte Chance auf den Gipfel sein wird. Bei Kaiserwetter und einer leichten Brise erreichen wir wieder Lager II und beginnen noch am selben Tag damit, Fixseile am Pfeiler zu verlegen.

Doch das gute Wetter hält nicht lange. Eine weitere Wetterstörung mit Sturm und leichtem Schneefall nähert sich und macht uns am nächsten Tag das Leben schwer. Am dritten Tag im Lager II dann die schmerzhafte Erkenntnis, dass es vorbei ist. Ende. Unser Traum vom Gipfel des Ogre III vom Winde verweht. Schweren Herzens bauen wir die Fixseile und das Lager ab und machen uns auf den Weg zurück ins Basislager.

Zu einer Expedition gehört immer auch ein bißchen Glück. Am Ende haben wir es nicht in der Hand, ob wir das Ziel erreichen oder nicht. Das unbeständige Wetter und der Sturm haben uns den Gipfel verweigert. Was aber letztendlich zählt, ist die Erfahrung am Berg und die gute Zeit die man miteinander verbringt. Neben unserem Abenteuer am Ogre III, durften wir auch ein großartiges Land und die Menschen dort kennenlernen.

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