Wer ein richtiges, alpines Kletterabenteuer in mystischer Umgebung sucht, der wird in den Pragser Dolomiten, an der Nordwand der Punta del Pin fündig. Ich habe schon viel über eine atemberaubende Risslinie, die von Heli Gargitter erstbegangen wurde, gehört. Letzten Sommer war es dann endlich soweit und ich begab mich mit meinem äußerst motivierten Seilpartner Raffi auf eine unvergessliche Reise. Eigentlich war für dieses Wochenende eine klassische Dolomitentour am Langkofel angedacht, allerdings waren sämtliche Dolomitenpässe

aufgrund eines Radrennens gesperrt, was uns somit einen Strich durch die Rechnung machte. Jetzt war Flexibilität gefragt und es dauerte nicht lang und wir hatten ein neues Ziel: Die Nordwand der Punta del Pin! Schon der idyllische Zustieg über die Almwiesen der Plätzwiese lässt alle Alltagshektik vergessen und man taucht im Nu in eine archaische Welt ein, in der die Zeit still zu stehen scheint. Man konzentriert sich auf das Wesentliche und lebt den intensiven Augenblick des Moments.

 

Am Fuße der mächtigen Nordwand des Punta del Pin angekommen, waren wir überwältigt von der Schönheit dieser Wand, die primär von bestem Dolomitenkalk mit kompakten, grauen Platten und vielen Rissen durchzogen ist. Sie ist gut vergleichbar mit dem Schüsselkar in Nordtirol/Leutsch. Wir mussten die Wand nicht lange studieren, um die Königslinie auszumachen: Ein überwältigendes Risssystem, das sich in direkter Gipfelfalllinie erschließt. Die Geologie der Dolomiten und die vorherrschenden Kräfte, die zur Entstehung dieser

einzigartigen Rissformationen beitrugen, ließen uns in Ehrfurcht erblassen. Voller Begeisterung und Motivation kehrten wir einer Woche später mit Zelt, Proviant und jeder Menge Equipment zurück. Während sich die breite Masse der Alpinkletterer an den Drei Zinnen aufhielt, waren wir an der Punta del Pin ganz für uns allein. Wir konnten die gesamte Route in nur zwei Tagen komplett erschließen, wobei wir nur an den Standplätzen Schlaghaken anbrachten. Es gelang uns jede Seillänge ausschließlich mit der Verwendung mobiler Sicherungsmittel (Friends & Klemmkeile) zu klettern, also ohne Zuhilfenahme von Schlaghaken.
 

Die Route begann mit einer moderaten Aufwärmseillänge durch eine kompakte Platte, die sich über einen Riss zog und in einer schwierigen, überhängenden Boulderstelle überging. Schlussendlich erreichten wir das markante Risssystem, welches die Form eines „C“ hat. Dieses führte uns in zwei weiteren Seillängen unter einen großen Überhang. Von dort gelangten wir über einen spektakulären Schuppenquergang nach links in die furchtein-flößende, überhängende Rissverschneidung. Uns stockte der Atem in Anbetracht dieser Ausgesetztheit. Wir waren bereits physisch und auch psychisch mehr als erschöpft, aber ein

Rückzug hätte ein kompliziertes und nicht ungefährliches Seilmanöver bedeutet. Nach einer kurzen Stärkung beschlossen wir einen Versuch zu wagen. Es folgten einige Stürze, aber mit ein paar motivierenden Worten konnten wir diesen anspruchsvollen Überhang doch noch überwinden. Nun folgte nur noch leichtes Gelände und wir erreichten überglücklich den Gipfel. Anfang Juli kehrten wir nochmals zurück und wir konnten unsere Erstbegehung “Rot Punkt“ an einem Tag wiederholen. Somit war es uns möglich jede Seillänge für sich sturzfrei zu durchsteigen. Bis zum Schluss blieb es immer spannend und anspruchsvoll und zur Belohnung erwartete uns am Ausstieg ein kräftiges Sommergewitter☺
 

 

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Ulrich 'Uli' Viertler

Uli ist ein waschechter Südtiroler, von daher wurde ihm das Klettern sozusagen in die Wiege gelegt. Schon als kleiner Junge nahmen ihn seine Eltern mit in die heimischen Dolomiten. Zum wirklich konsequenten Klettern ist er allerdings erst im Alter von 14 Jahren gekommen. Am Klettern fasziniert ihn vor allem das Alpine Klettern und so gelangen ihm in den vergangenen Jahren zahlreiche schwierige Touren, primär in den Dolomiten, aber auch in anderen Gebirgen der Welt.

Eine seiner größten Leidenschaften ist es fremde Länder zu bereisen, immer auf der Suche nach Neuland zum Klettern. So gelangen ihm bereits in Indien, Laos und dem Oman anspruchsvolle alpine Erstbegehungen. Seinen optimalen Gegenpol zum Felsklettern findet Uli im Winter im Mixed- und Eisklettern, aber vor allem in den zahlreichen großen kombinierten Wänden der Westalpen. Es gelang ihm bereits eine Vielzahl der schweren, großen Alpenwände zu durchsteigen, wie z.B. die Matterhorn Nordwand, die Eiger Nordwand, die Grand Jorasses Nordwand, das Dru Nord Couloir, die Droites Nordwand und einige mehr.

Das Medizinstudium hat ihn vor einigen Jahren ins österreichische Innsbruck verschlagen, wo er viele Gleichgesinnte und ebenfalls sehr motivierte Kletterpartner fand, mit denen er seine Ambitionen weiter ausbauen konnte. Erst relativ spät entschied er sich, seine Passion zum Beruf zu machen und so schloss er im Sommer 2014 die Ausbildung zum staatlich geprüften Berg-und Skiführer erfolgreich und mit Auszeichnung ab. Derzeit ist Uli als Arzt in Innsbruck tätig.

 

 

 

 

4 GEWINNT (140M, 8+)

Erstbegehung von Xari Mayr & Andi Hammerstingl im Schüsselkar (Wettersteingebirge) 

 

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