Zauberflöte M9, WI6:  Eine der imposantesten Eisklettertouren im Langental

Zauberflöte M9, WI6: Eine der imposantesten Eisklettertouren im Langental

Text: Robert Grasegger

Fotos: Thomas Holler

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Zum Einstieg in die Eisklettersaison berichtet Mountain Equipment Pro Team Mitglied Robert Grasegger von einer imposanten Eisklettertour, die er Anfang diesen Jahres begangen hat.

 

Wie startet man am besten in das neue Jahr?

Zuhause gibt‘s kein Eis, aber dafür jede Menge Schnee. Wir müssen nicht lange überlegen: Da der Lawinenlagebericht eh nur noch rot (aus)sieht, entscheiden wir uns „auf ein Eis“ nach Italien zu fahren. Wir bedeutet in diesem Fall: Thomas „Thomi“ Holler, sein geräumiger FIAT mit Schneeketten und ich. Gemeinsam gehen wir auf die Reise nach Süden. Dort hat es perfekte Bedingungen mit viel Eis und wenig Schnee. Nachdem ich diesen Winter bereits Airpot (WI5+ M4), Teufelsgeige (WI5+ M6) und Sonnentanz (WI5 M7+) im Langental klettern konnte, fällt mir im Zustieg immer wieder eine Linie auf. Mit ihrem magischen Aussehen zieht sie jeden Eiskletterer in ihren Bann: Die Zauberflöte! Nun muss ich nur noch Thomi von meinem Plan überzeugen. Was nicht so schwer ist.

Los geht’s!

Am Parkplatz angekommen packen wir unsere sieben Sachen und los geht‘s. Der Zustieg zieht erst flach ins Langental hinein und kommt an den ganzen Klassikern vorbei. Unser Ziel befindet sich fast ganz hinten am Talende links oben. Dank der geringen Schneemenge sind wir relativ schnell am Einstieg. Aus der Nähe betrachtet sieht der Zapfen noch furchterregender aus und der Überhang noch steiler, als aus der Ferne vermutet. Ich bin trotzdem maximal motiviert, ziehe meinen Klettergurt an, schnalle die Steigeisen auf meine Bergschuhe und binde mich ins Seil. Jetzt noch den Helm auf den Kopf und auf geht‘s. Die ersten zwei Züge sind klar: Leiste, Untergriff, Loch und… weit auf einen abschüssigen Riss hinauf, dann… hmmm… Es kommt irgendwie nichts mehr und ich falle aus dem Riss heraus.

Vorbei der Onsight, aber nicht der Mut.

Ich checke kurz die nächsten Züge aus, Thomi lässt mich ab, wir ziehen das Seil ab und ich gehe nochmal die Züge im Kopf durch. Das Dach habe ich mir nicht angeschaut – wird schon gehen, denke ich mir. Nun starte ich erneut: Leiste, Untergriff, Loch, schlechter Riss, weiter auf einen abschüssigen Hook – und nun hält er, es läuft! Schnell die Eisglasur hoch und dann stehe ich an dem Dach, das ich mir nicht angeschaut hatte. Die Ruheposition ist leider auch nicht so toll… Ich atme tief durch. Hilft eh nichts, denke ich mir. Denn den unteren Teil will ich nicht nochmal klettern, also muss ich jetzt Vollgas geben. Ein weiterer Zug ins Dach, hoch ansteigen, ein kräftiger Zug im Dach, Füße kommen lassen und ins Eis retten! Am Zapfen ist filigranes Eisklettern angesagt. Selbst meine gepumpten Unterarme könnte mir jetzt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht stehlen. Am Stand angekommen bin ich überglücklich, dass ich diese Seillänge klettern konnte. Die nächsten zwei Seillängen bieten anspruchsvolle und coole Eiskletterei. Die letzte Länge ist aus unserer Sicht leider nicht mehr kletterbar. Überglücklich seilen wir wieder über die luftige Zauberflöte ab. Um den Tag abzurunden, gibt es noch ein Bier in unserem Stammkiosk am Parkplatz des Langentals.

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Klettern, Robert Grasegger, Team