Von summenden Bohrmaschinen und fliegenden Peckern

Von summenden Bohrmaschinen und fliegenden Peckern

Einbohren Höllental

Lea Luithle & Luisa Deubzer
Text: Lea Luithle & Luisa „Lulu“ Deubzer
Fotos: Dörte Pietron, Silvan Metz, Caro Neukam, Lea Luithle
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Der Frauen Expedkader trifft sich am Riffelkopf (Höllental) für ein neues Projekt

9.-12. August 2021

"Da gibts eine saucoole Wand bei der Zugspitze am Riffelkopf, die noch komplett unbeklettert ist, wahrscheinlich so vier Seillängen. Da könnten wir doch mal mit 'ner Bohrmaschine hin und uns das anschauen!"

Wenn unsere Trainerin Dörte so etwas vorschlägt, zögert natürlich niemand lange! Gesagt, getan. Mit dabei hatten wir dann: drei Bohrmaschinen, 100 Bohrhaken, 260 m Statikseil, Kletterseile, Hammer, Schlaghaken, Pecker, Schlingen, Biwakzeug, Zelt und Essen für drei Tage und jede von uns mindestens eine Sache, die bei anderen auf lachendes Kopfschütteln stieß (-> siehe Quiz am Ende)…

Am Montag gings los mit einem kleinen Einbohr-Crashkurs: Daniel Gebel und Dörte führten uns in die Basics des Bohrens ein und teilten gleich ein paar ihrer Tricks und Kniffe mit uns. Wir schlugen Schlaghaken, verklemmten Pecker, hingen an Talon-Hooks und Grapplings, erlebten, wie mühsam es ist, Löcher von Hand zu bohren und lernten wie sich 45 Nm anfühlen (so fest sollten Bohrhaken-Muttern angezogen werden).

Einbohr-Crashkurs

📷 Handbohren und Cliffen will geübt sein! (Fotos: Dörte Pietron)

„So und jetzt könnt ihr selbst loslegen. Den Rest wird die Panik euch dann lehren.“ Mit diesen Worten entließ Daniel uns zum Riffelkopf. Unsere Vorfreude und Spannung waren dementsprechend groß.

Mit der letzten Bahn ging es hoch auf die Zugspitze und nach drei Stunden Abstieg über einen Klettersteig und Gletscher in der Nebelsuppe waren wir bei unserem Biwakplatz angekommen. Pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit.

Wilder Zustieg zum Biwak

📷 Mit der Gondel in die Nebelsuppe zum Biwakplatz (Fotos: Dörte Pietron)

Am nächsten Morgen konnten wir endlich zum ersten Mal die Wand mit eigenen Augen erkunden und grob mit dem Fernglas planen, welche Linien wir eigentlich klettern wollten. Die nächsten drei Tage bohrten und bewegten wir uns dann in zwei Seilschaften die Wand hoch:

Linien planen

📷 Linien planen (Fotos: Dörte Pietron)

Janina, Caro und Lea arbeiteten sich im linken, sehr abwechslungsreichen Wandteil immer höher, während Amelie, Lulu und Rosa sich eine Linie durch den rechten Teil der Wand suchten, hoch zu der von unten sehr eindrücklichen Löcherwand. Wie sich schnell herausstellte, hatten wir uns alle grob in der Wandhöhe verschätzt: Vier Seillängen brachten uns gerade einmal bis zur Wandmitte. Umso besser.

Einbohren

📷 Einbohren, Jumartraining, Klettern (Fotos Caro Neukam)

Die linke Tour ist so weit fertig eingerichtet und geht bis zu dem Grat, der zum Riffelkopf führt. Neun sehr abwechslungsreiche Seillängen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Kletterstilen sind insgesamt mit 54 Bohrhaken, einem Schlaghaken und drei Sanduhrschlingen abgesichert. Topo und weitere Infos werden folgen, sobald wir sie freiklettern konnten. Außerdem liegt am Wandfuß noch ein Pecker, wer den findet, darf sich bei Caro melden!

In der rechten Tour verlangsamte sich unser Vorankommen in der zweiten Hälfte mit zunehmender Steilheit und einem bröseligem Zwischenteil, so dass Rosa, Amelie und Lulu am letzten Tag, nachdem sie endlich zur lang erwarteten Löcherwand gekommen waren, noch vor dem Top abseilten und die letzten zwei Seillängen aufs nächste Mal verschieben mussten. Aber endlich war klar: Der Fels in der Schlüsselseillänge ist Hammer und es führt tatsächlich ein Weg hoch! Auch wenn es wohl ordentlich schwer wird, denn wenn Amelie sagt, dass etwas hart ausschaut, dann will das normalerweise etwas heißen... Die perfekte Motivation bald zurückzukommen!

Völlig fertig, aber happy und in guter Stimmung stiegen wir über das Höllental ab. Komisch – eigentlich sollten unsere Rucksäcke beim Runtergehen doch leichter sein? Mit Einbruch der Dunkelheit waren wir wieder unten und freuten uns alle auf eine Dusche, Essen und ein Bett. Die letzten Tage haben definitiv unseren Respekt und unsere Wertschätzung vor allen nochmal vergrößert, die die fantastischen Mehrseillängen, die wir normalerweise so einfach genießen können, eingerichtet haben.

Abendstimmung

📷 Abendstimmung (Foto: Dörte Pietron)

Wieder einmal geht ein Riesen-Dankeschön an die beste Trainerin! Dörte war die ganze Zeit dabei, hat die Logistik organisiert, uns bei allen entscheidenden Fragen als Ground-Support geholfen und durch ihre smarten Ausrüstungshacks immer wieder staunen lassen. Auch an Daniel, der sein geballtes Knowhow mit uns am ersten Tag teilte, vielen, vielen Dank!

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Quiz: Wer hatte was beim Biwakieren dabei?

 1) 2 kg frische Gnocchi, Aubergine, Pilze A) Caro
2) Haarbürste B) Dörte
3) Strickzeug C) Lulu
4) Daunenhose D) Lea
5) leere Powerbank E) Amelie
6) Bohrmaschine F) Rosa
7) Risskletterhandschuhe G) Janina
 
Auflösung: 1C, 2A, 3D, 4B, 5E, 6G, 7F

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