Darum ist Spinndüsenfärbung sinnvoll

Darum ist Spinndüsenfärbung sinnvoll

Färben

Wir gehen in die Berge, um magische Orte zu entdecken. Orte, an denen Ehrlichkeit mehr bedeutet als Tapferkeit. Orte, wo Prahlerei auf taube Ohren stößt. Auf den ersten Blick scheint die Entwicklung von Bekleidung nichts mit den Bergen zu tun zu haben. Doch wir bemühen uns bei unserer Arbeit um die gleiche Ehrlichkeit, die wir in den Bergen an den Tag legen. Das bedeutet auch, über Dinge zu schreiben, die unsere Industrie nicht so gut macht. Nur weil es kein einfaches Thema ist, heißt das nicht, dass es nicht wichtig ist. Setz uns unter Druck, setz die Einzelhändler unter Druck und forciere damit, dass etwas Gutes passiert!

Alle reden über Nachhaltigkeit. Wir messen den Kohlendioxidausstoß, wir analysieren den Wasserverbrauch, die Medien rücken die Arbeitnehmerrechte zunehmend in den Mittelpunkt. Doch die Chemie gerät völlig in Vergessenheit. Chemie besteht nicht nur aus Bunsenbrennern, Reagenzgläsern und dem In-die-Luft-Jagen von Gegenständen: Warum ist deine Fleecejacke orange? Warum perlt das Wasser an deiner Jacke ab? Warum stinkt dein T-Shirt nicht? In einem Outdoorprodukt steckt eine Menge Chemie. Vieles davon ist nicht gerade nachhaltig. Die Färbebranche ist eine der schmutzigsten Industrien, die es gibt – und niemand spricht darüber.

Die Probleme mit der Färbung

Durch den Färbeprozess erhält dein Kleidungsstück seine Farbe. Es gibt Tausende verschiedener Farbstoffe und Dutzende verschiedener Färbeverfahren, die je nach Faser und Verwendungszweck ausgewählt werden. Fast alle der am häufigsten verwendeten Färbeverfahren haben schwerwiegende ökologische Nachteile. Sie reichen vom enormen Verbrauch an Energie, Wasser, Säuren, Laugen und Bleichmitteln über die Freisetzung giftiger Abwässer bis hin zur Umweltbelastung durch die Farbstoffe selbst. Das Färben ist oft außerordentlich ineffizient, wobei manchmal weniger als 10% des Farbstoffs tatsächlich auf dem Kleidungsstück landen. Was passiert wohl mit den restlichen 90%? Ein Fünftel der weltweiten industriellen Umweltverschmutzung ist auf die Textilfärbung zurückzuführen.

Spinndüsenfärbung

Es gibt alternative Technologien. Eine davon ist das Spinndüsenfärben, auch bekannt als Dope Dying, Massenfärben oder Spinnfärben. Konventionelles Färben färbt die Fasern, nachdem sie gesponnen oder extrudiert wurden. Bei den meisten konventionellen Verfahren werden ungefärbte Fasern in einem großen Trog mit Farbstoff und Zusatzstoffen gefärbt. Das Verfahren ist kläglich ineffizient und hat sich seit Jahrzehnten nicht wesentlich verändert.

Traditionelles Färben

Beim Spinndüsenfärben wird der Farbstoff der Polymerlösung beigemischt, bevor diese zu Fasern gesponnen werden. Diese Fasern kommen dauerhaft tiefengefärbt aus der Spinndüse. Dies ist viel effizienter und umgeht einen Verarbeitungsschritt vollständig. Es reduziert den Wasserverbrauch, den Energieverbrauch und die daraus entstehenden Treibhausgasemissionen sowie die Menge der benötigten Farbstoffe und Fixiermittel. Zudem ist die Farbe viel haltbarer. Spinndüsenfärbung kannst du mit einem Stück Granit vergleichen, das durch und durch dieselbe Farbe hat. Im Gegensatz dazu kann man konventionelles Färben mit einem mit Flechten bedeckten Kalksteinblock vergleichen, bei dem die Außenseite des Gesteins gefärbt ist, die Innenseite jedoch nicht.

Spinndüsenfärben

Warum ist die Spinndüsenfärbung nicht mehr verbreitet? Die Hauptgründe sind die benötigten Mengen sowie die Komplexität, um eine qualitativ hochwertige Färbung zu erreichen.

Wir brauchen viel!

Spinndüsenfärben erfordert enorme Mengen an Fasern, die alle in der gleichen Farbe gefärbt werden müssen. Dabei sprechen wir nicht von Fasern für 100 oder 1.000, sondern mehr als 10.000 Kleidungsstücke: Alle in der exakt gleichen Farbe. Für viele Marken, uns eingeschlossen, ist das keine realistische Fasermenge, da wir einfach nicht genügend Produkte verkaufen. Manchmal reichen die Verkaufsmengen jedoch aus, um eine Spinndüsenfärbung zu ermöglichen. Dazu gehört für uns auch der Kauf von GORE-TEX PRO. Wir sind eine der weltweit führenden Marken, die GORE-TEX PRO verarbeiten. Alle unsere GORE-TEX PRO Produkte haben die gleiche Innenseite: die gleiche Farbe, die gleiche Faser und die gleiche Struktur. Daher können unsere Innenstoffe mit dem Spinndüsenverfahren gefärbt werden. Das ist ein kleiner Anfang. Wir hoffen aber, dass wir mit einer konsequenteren Planung in allen Phasen der Lieferkette unsere Möglichkeiten zum Kauf spinndüsengefärbter Stoffe in Zukunft verbessern. Gore schätzt, dass durch den Wechsel des Färbeprozesses 47% weniger Wasser verbraucht und 2% weniger Kohlendioxid ausgestoßen wird. Das ist eine enorme Wassereinsparung und eine wertvolle Reduzierung von Kohlendioxid und ein deutlicher Vorteil für die Umwelt.

GORE-TEX PRO & gefärbte Faser

Aller Anfang ist schwer

Die Textilindustrie färbt seit Jahren nach traditionellen Methoden und hat ein gutes Verständnis für die verschiedenen Herausforderungen bei der Herstellung einer gleichmäßigen und konsistenten Färbung von Stoffen. Spinndüsenfärbung ist extrem neu. Da sie bisher nicht so häufig eingesetzt wird, ist das Fachwissen über die Herstellung qualitativ hochwertiger, spinndüsengefärbter Stoffe nicht sehr verbreitet. Dieser Punkt und der Einsatz von speziellen Maschinen und industriellen Beschränkungen verlangsamen das Wachstum dieser Technologie. Für Färbereibesitzer ist es ein mutiger Schritt, alle Maschinen und Methoden durch neue zu ersetzen. Deshalb ist es wichtig, dass wir gemeinsam als Industrie sowie als Verbraucher auf die Verbesserungen unserer Färbemethoden drängen und Veränderungen vorantreiben.

Das Innere einer Färberei mag weit weg von den Bergen erscheinen, aber die Auswirkungen der Textilfärbung sowie der Textilnassverarbeitung und -veredelung sind rund um den Globus spürbar. Es ist ein Thema, das man leicht übergeht, weil es komplex ist und weil es für Verbraucher nicht so schön verpackt und aufbereitet werden kann. Aber sind die schwierigen und komplexen Besteigungen nicht die eindrucksvollsten? 


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