ShAre the PAssion FXM (M12-) | Drytooling Hochalm

ShAre the PAssion FXM (M12-) | Drytooling Hochalm

Text: Robert Grasegger

Fotos: Jürgen Oblinger, Monika Grasegger, Jan Schneider, Karl Rothfuß, Laura Dahlmeier, Robert Grasegger

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Am 9. November 2018 startet Mountain Equipment Pro Team Mitglied Robert Grasegger ein lang geplantes Drytooling Projekt an der Hochalm (Wetterstein/Bayern). Es kostet ihn fünf Wochen lang Nerven, Kraft, Gedanken – und viel Kaffee. Ein Jahr später blickt Robert für uns zurück: Ab 9. November 2019 berichtet er in einer Serie auf unserer Facebook-Seite von seinem Projekt, das er in Erinnerung an seinen verstorbenen Freund Franz-Xari Mayr vollendet hat. Ihr findet alle Beiträge auf Facebook unter #ShareThePassionFXM. Hier gibt’s den gesamten Bericht zum Nachlesen:

 

Viele fragen sich, wie man sich über einen Monat für die gleiche Tour motivieren kann – vor allem, wenn der Zustieg ziemlich genau 1000 HM beträgt. Die Antwort liegt vermutlich darin, dass es dort oben zu diesem Zeitpunkt keinen Menschen gibt, was die Atmosphäre einfach passender für solch ein Projekt macht. Auch will ich diese Tour, die ich damals zusammen mit Franz-Xaver Mayr ins Auge gefasst habe, „by fair means“ erschließen. Xari und ich wollten dieses Projekt unbedingt 2018 gemeinsam umsetzen, vielleicht war auch das ein Grund warum ich so viel Leidenschaft hineingesteckt habe. Leider muss ich es nun allein angehen, da der Xari am 24.01.2018 im Langental tödlich verunglückte. Mit dieser Tour will ich unsere gemeinsame Idee fertig denken und gleichzeitig die Leidenschaft zeigen, mit der er immer dabei war. ShAre the PAssion FXM!

Die Linie spukt schon das ganze Jahr in meinem Kopf herum. Es ist an der Zeit sie umzusetzen! Im Frühling hatte ich einfach noch nicht die Kraft dieses Projekt anzugehen, aber sie blieb immer in meinem Hinterkopf. Während jetzt im goldenen Herbst alle beim sonnigen Felsklettern sind, fange ich an mit den Eisgeräten zu Trainieren. Um meine Form zu sondieren, geht es an den Fels und ich kann auf den zweiten Versuch M10 klettern. Nach diesem Erfolg fühle ich mich körperlich bereit!

Nun muss ich nur noch meinen Kopf dazu bringen das Ganze umzusetzen. Ich besorge mir von SPORT CONRAD Klebehaken, den Kleber bekomme ich von Saller Edelstahl geschenkt und das Aggregat stellt mir Markus Dorfleitner zur Verfügung. Ich trage das ganze Material nach der Arbeit hinauf. Tags darauf haben Karl und Andi Zeit mich beim Einbohren zu sichern und zu unterstützen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Route kletterbar ist, ob sie cool wird, wie schwer sie wird, und und und… Doch der erste Schritt ist getan, die Haken sind drin!

Am nächsten Tag geht es gemeinsam mit Jan zum ersten Ausbouldern der Route. Dort wird mir klar, dass es nicht leicht wird diese Linie noch in diesem Jahr zu punkten. Doch mir wird auch klar, dass sie kletterbar ist. Das steigert meine Motivation gewaltig!

Ich verbringe jeden Arbeitstag damit jemand zu motivieren mit mir an meinem freien Tag dort hoch zu gehen, damit ich die Züge verfeinern kann. Als Lockmittel trage ich einen Kocher und eine Bialetti hinauf, um das Ganze angenehmer zu machen. Für die Tage, an denen keiner Zeit hat, baue ich mir unseren Dachboden aus, um auch dort trainieren zu können.

Am Anfang war das Ziel noch in weiter Ferne – bis zu dem Tag, an dem ich mit Lukas oben bin. Er hat ein paar interessante Tipps zu bieten, wie ich besser und effektiver Projektieren kann. Es sind Tipps für die Technik, Kleinigkeiten, die dort aber entscheidend sind. Aber das Wichtigste ist die mentale Herangehensweise. Ich setze mich immer sehr unter Druck und er meint, ich solle mir erst mal zum Ziel nehmen die erste Stelle sauber und effektiv zu klettern und dann weiter zu sehen. Ich denke das ist einer der entscheidenden Tage! Von nun an läuft es sehr gut, jedoch falle ich jetzt immer nach dem Querriss drei Expressen vor dem Umlenker…

Der Herbst geht nun immer mehr zum Winter über, landschaftlich macht es das Projekt schöner, allerdings bringt es auch kühlere Temperaturen mit sich. Bei -20 Grad werden die Aufenthalte an der Route damit ein Stück unangenehmer.

Zwischendurch brauche ich mal eine Pause von der Kletterei. Als ich vier Tage frei habe, geht es nach Pontresina zum Skitourengehen, Klettern und Kopf frei bekommen. Danach klappt es leider immer noch nicht sofort…

Das Wetter wird wieder richtig kalt und im Langental gibt es schon Eis. Bei dem Wetter ist eh keiner für die Hochalm zu motivieren, aber ich bin motiviert auf Eis. Also geht es zwei Tage mit Martin Feistl zum Eisklettern und Wintercampen. Wir klettern Airpot M4 WI5+ und Teufelsgeige M6 WI6 im Langental. Danach geht’s nach Hause.

Am Samstag gehe ich, mittlerweile schon mit Tourenski, auf die Hochalm. Es ist saukalt und ich habe überhaupt keine Lust mich wieder in diese Kälte zu stellen, geschweige denn zu klettern. Bei -15 Grad ohne Sonne… Doch dann sind wir schon oben. Laura sichert mich beim ersten Go. Es fühlt sich irgendwie gut an – bis ich das Gefühl in den Fingern verliere und blau gehe. Danach bin ich echt gefrustet, da nächste Woche der Skibetrieb aufgenommen wird und es dann vorbei ist mit der Ruhe. War das die letzte Chance?

Dann kommen plötzlich Karl, AC und Vroni von unten mit den Tourenskiern an. Sie wollen auf einen Kaffee vorbeischauen. Als ich die Bialetti fülle, fällt mir auf, dass es der letzte Rest des Pulvers ist. Irgendwie motiviert mich das und ich verkürze meine Pause, mache mich warm und lege los. AC legt gute Musik auf und dann ist es wie im Flow, es läuft einfach trotz der Kälte: Ich kann alles ausblenden, klettere Zug um Zug und komme zur Schlüsselstelle. Ich bin nicht gepumpt, die Finger sind nicht kalt und die Anfeuerungen der anderen lassen mich auch diese Stelle meistern. Ich klippe die letzte Expresse und will zum nächsten Hook ziehen, doch er ist vereist… Mit letzter Kraft kann ich den Pickel reinschlagen und das Eis hält Gottseidank. Nun ruhig bleiben, weiterziehen, umgreifen und den Umlenker klippen. Ich habe es geschafft. Ich bin durch. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich.

Da ich noch nie so eine harte Mixed-Route geklettert bin, habe ich als Schwierigkeitsvorschlag M12- angegeben. Es geht darum, seine Leidenschaft fürs Klettern mit anderen motivierten Menschen zu teilen. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die dabei waren und die mir mit Rat und Tat geholfen haben das Projekt zu realisieren: Allen voran DANKE Xari für die Inspiration, DANKE Karl Rothfuß, Monika Grasegger, Andreas Schirmer, Jan Schneider, Markus Dorfleitner, Veronika Schirmer, Mira Naumann, AC Roller, Thomas Holler, Jürgen Oblinger, Bernhard Bliemsrieder, Lukas Kriegler, Laura Dahlmeier! Ohne euch hätte ich diese Tour nie klettern können.

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Klettern, Robert Grasegger, Team