Der DOWN CODEX® und das große Ganze

Der DOWN CODEX® und das große Ganze

 DOWN CODEX®

In den letzten zehn Jahren haben überall in der Welt und natürlich auch in der Daunenindustrie gewaltige Veränderungen stattgefunden. Die Hintergründe dazu wollen wir hier gerne erläutern.

 

Erste Schritte

Anfangs konzentrierten sich fast alle Hersteller fast ausschließlich auf Qualität und Leistung ihrer Produkte: wie sie aussehen, wie sie sich anfühlen, wie sie funktionieren. Nur die Qualität zählte, daran wurde der Erfolg gemessen. Viele Marken - wie auch Mountain Equipment - investierten viel Zeit, Produkte zu perfektionieren. Folglich gab es weder Zeit noch Gründe, sich auf andere Themen einzulassen. Diese anderen Themen umfassten Überlegungen zum gesamten Lebenszyklus eines Produkts sowie zum Umweltschutz, zu ethischen Aspekten und zum Tierschutz.

Konkret bedeutete dies, dass Marken mehr über die fertigen Produkte wussten, als über die Komponenten, die sie zur Herstellung benötigten. Dies galt insbesondere für Daunen- und Federprodukte, egal ob Bettwaren, Schlafsäcke oder Daunenjacken. Heute ist es kaum nachzuvollziehen, wie wenig Marken damals über die Lieferkette von Daunen und Federn wussten!

Tom Strobl, Geschäftsführer von Mountain Equipment in Deutschland, erinnert sich an genau diese Zeit: "Eigentlich kannte ich auch nur die Qualität der Daunen, welche Füllkraft sie hatten, die Sauberkeit und das Mischungsverhältnis aus Daunen und Federn. Über die Verarbeitung, unter welchen Bedingungen die Tiere lebten und wie die Daunen am Ende gewonnen wurden, wusste ich praktisch nichts – so wie quasi jede andere Marke zu dieser Zeit."

Wir leben in einer Zeit, in der Statistiken vieles dominieren: Alles wird gezählt, gemessen und kontrolliert. Die damalige Einstellung der Outdoor-Branche zum Thema Daunengewinnung stand dazu in krassem Widerspruch. Aber Tom ist sehr zielstrebig, leidenschaftlich und auch hartnäckig. Ihm war klar, dass sich hier etwas ändern musste. Es wurde seine persönliche Mission:

"Seit 35 Jahren ist mein Ziel, ausschließlich Bio-Lebensmittel zu konsumieren, vor allem wenn es sich um tierische Produkte handelt. Seit 33 Jahren lebe ich hauptsächlich vom Verkauf von Daunenschlafsäcken und Daunenjacken. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich auch mal über die Tiere nachgedacht habe, die die Daunen liefern - das muss ich hier zugeben. Dann wurde mir klar, dass ich einen viel größeren Beitrag zum Tierschutz leisten kann, wenn es uns gelingt, eine ethische und artgerechte Daunengewinnung in unseren Lieferketten zu etablieren."

Diese Einstellung spornte uns zur Entwicklung des DOWN CODEX® an. Der Arbeitstitel des ersten Entwurfs lautete 'Gans im Glück'. Dieses erste Dokument, auf dem das Projekt aufgebaut wurde, liegt immer noch auf unserem Server - als Erinnerung an das, was uns wirklich wichtig ist.

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Kinderkrankheiten

Wir wollten nun mehr über die Daunenherkunft und die Lebensbedingungen der Tiere wissen, deren Federn und Daunen wir verarbeiten. Zugegeben: Wir waren etwas naiv, was die Größe des Projekts anging, als wir Kontakt zu einem in der Daunenindustrie alteingesessenen, etablierten Händler aufnahmen...

Dr. Jane Turnbull, Projektmanagerin für CSR und Nachhaltigkeit bei der European Outdoor Group, erinnert sich daran: „Es war eine tolle Idee, aber in der Praxis ein Albtraum für Marken mit begrenzten Ressourcen. Schon die grundlegende Materialtests verschlingen viel Zeit und Geld - ganz zu schweigen von der Tragweite eines vernünftigen Audits."

Der Mangel an Zeit und Ressourcen war definitiv ein Problem. Die größere Herausforderung waren allerdings die verschlungenen und intransparenten Daunenlieferketten. Janes Kollegin Dr. Katy Stevens sagte uns dazu: "Daunenlieferketten sind nicht einfach nachzuvollziehen, vor allem angesichts der Komplexität der verschiedenen Ebenen: vom Zuchtbetrieb über die Elternfarmen, wo Küken schlüpfen, bis hin zu den Haltungsbetrieben und so weiter."

Eine 'typische Daunenlieferkette' gibt es in der Tat nicht – und hier wird es dann kompliziert: Die eine Lieferkette kann aus einer Elternfarm mit weiteren untergeordneten Farmen bestehen, dann kommt der Schlachthof ins Spiel und am Ende stehen die weiterverarbeitenden Betriebe. Zu einer anderen Lieferkette gehören vielleicht zwei Verarbeitungsbetriebe und mehrere Schlachthöfe, die jeweils von Hunderten, wenn nicht von Tausenden kleiner Farmen beliefert werden. Wieder andere Lieferketten basieren auf einem System, bei dem junge Männer auf Motorrollern kleinere Daunenmengen bei weit verstreuten, bäuerlichen Kleinbetrieben einsammeln und sie dann zu einem zentralen Händler bringen. Bei all diesen unterschiedlichen Systemen und einer Vielzahl an beteiligten Parteien war es zunächst schwierig bis aussichtslos, überhaupt glaubhafte Aussagen zur artgerechten Tierhaltung und zur Rückverfolgbarkeit selbst treffen zu können.

Die Komplexität der Lieferkette war jedoch nicht das einzige Problem: Mountain Equipment war damals (und ist auch heute noch) eine kleine Marke mit begrenztem Einfluss und kann nicht ohne Weiteres die Geschäftspraktiken der gesamten Daunen- und Federnindustrie ändern. Diese hat einen Wert von weit über einer Milliarde US-Dollar pro Jahr. Jedes Jahr werden über 270.000 Tonnen gehandelt. Das weltweite Geschäft mit Daunen und Federn dominiert sowohl wert- als auch volumenmäßig die Bettwarenindustrie. Hier liegt also der wesentliche Grund für unseren relativ geringen Einfluss...

Wenn wir einen Wirbel um neue Anforderungen gemacht und zu viel verlangt hätten, dann wären wir für einige Daunenlieferanten vielleicht zu anstrengend geworden. Sie hätten eventuell unsere Bestellungen ignoriert und sich stattdessen an größere, weniger kritische Kunden gehalten.

Charles Ross, Dozent für Performance Sportswear und Nachhaltigkeit, fasst seine Erinnerungen an die Anfänge des DOWN CODEX® zusammen: "Einige der Probleme wurden mir erst klar, als wir feststellten, dass die Outdoor-Industrie nur 4 % der weltweiten Daunen verbraucht. Der Großteil geht an die Bettwarenindustrie. Es war also wie das Ende des Schwanzes, der mit dem ganzen Hund wedeln wollte..."

Für Mountain Equipment war es eine immense Herausforderung, die Lieferketten zu durchdringen, zu verstehen und zu beeinflussen. Aber das Schicksal der Marke würde bald untrennbar mit dem der gesamten Branche verbunden sein.

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Partnerschaften

Das Team von Mountain Equipment besteht aus Produktspezialisten, Materialexperten und Alpinisten. Wir haben nie mit einem Tierarzt oder Viehzüchter zusammengearbeitet und wussten daher relativ wenig über die Besonderheiten der Haltung von Gänsen und Enten. Vor einem Jahrzehnt hatten wir auch relativ wenig Erfahrung mit der Auditierung von Lieferketten: der DOWN CODEX® war ein großer Schritt in ungewisses Neuland.

Allerdings hatten wir durch unsere langjährige Kooperation mit dem Internationalen Daunen- und Federnlabor (IDFL), dem größten Daunenprüflabor der Welt, viel Erfahrung mit der Bewertung der Daunenqualitäten. Wir baten das IDFL um Hilfe bei der Überprüfung einiger Lieferketten und suchten den Kontakt zur RSPCA, der größten britischen Tierschutzorganisation, um einen grundlegenden Rahmen für Tierschutzkriterien zu definieren.

Im Laufe der nächsten Monate führte das IDFL Audits bei unseren Daunenlieferketten durch und erstellte zahlreiche Berichte und Fotos. Wenn man sich diese Berichte heute ansieht, erscheinen einige von ihnen ziemlich simpel: Es gab zu diesem Zeitpunkt keinerlei strenge Kriterien. Mountain Equipment versuchte erstmal, einen Eindruck zu bekommen, wie die Daunenlieferketten und die damit verbundenen Standards aussahen. Aber diese ersten Audits waren der Anfang und bildeten die Grundlage für die Entwicklung der wesentlich konkreteren Anforderungen des DOWN CODEX®.

Es war für alle Beteiligten ein Lernprozess, sowohl für Mountain Equipment als auch für die IDFL. Diese Organisation verfügt zwar über enormes Wissen rund um Daunen und die Daunenindustrie im Allgemeinen, aber sie war noch nie mit der Auditierung durch eine Marke beauftragt worden. Zehn Jahre später kooperieren Mountain Equipment und die IDFL immer noch: Zusätzlich arbeiten wir  mittlerweile auch mit anderen Audit-Partnern wie der Control Union zusammen. Für die IDFL hat sich die Auditierungs- und Zertifizierungsarbeit stark verändert: Vor zehn Jahren war sie nur ein winziger Teil ihres Geschäfts, heute arbeiten sie kontinuierlich daran und auditieren Lieferketten auf der ganzen Welt.

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Schockierende Nachrichten

Während das IDFL unsere Lieferketten auf Herz und Nieren prüfte und sich der DOWN CODEX® etablierte, sorgten Schlagzeilen über die Daunengewinnung für eine Schockstarre in der gesamten Outdoor-Branche: Lebendrupf, Zwangsfütterung, Tiere, die unter schrecklichen Bedingungen leben... Als einflussreiche Zeitungen die Geschichte aufgriffen, wurde es zu einem richtig großen Thema. Die Daily Mail druckte 2012 die Schlagzeile "Klaffende Fleischwunden, vor Schmerz schreiende Vögel: Die barbarische Realität hinter den Federn in Ihrem Wintermantel." Mit einem Schlag war die ethische Beschaffung von Daunen ein wichtiges Thema und jeder versuchte, Antworten zu finden. An dieser Stelle verschmilzt die Geschichte des DOWN CODEX® mit der Entwicklung der gesamten Daunenindustrie.

Plötzlich war Mountain Equipment in der Rolle, Meetings über ethische Daunenbeschaffung mit Teilnehmern aus der gesamten Outdoor-Branche zu leiten. Große internationale Marken, Daunen- und Federnhersteller und Tierschutzgruppen kamen alle an einen Tisch. Wir stellten klar, dass wir bei Mountain Equipment auch keine Experten waren. Dennoch waren wir dem Großteil der Branche einen Schritt voraus und wollten unser Wissen nutzen, um das Thema insgesamt voranzubringen.

Ashley Gill, Direktor für Standards bei Textile Exchange, zur Entwicklung des Responsible Down Standard (RDS): "Am Anfang versuchten die Unternehmen erst einmal zu begreifen, wie die Zusammenarbeit aussehen muss, um Veränderungen zu bewirken. Mountain Equipment war hier wirklich sehr offen und teilte das Wissen mit uns, was an ihrem System gut funktioniert. Es ist eine enorme Herausforderung, einen Standard zu entwickeln, der von einer ganzen Branche verwendet werden kann. Wir mussten viele verschiedene Beschaffungswege berücksichtigen, damit der Standard seine Ziele auch tatsächlich erreichen kann. Aufgrund der Tatsache, dass Mountain Equipment diesen schwierigen Fragen bereits auf den Grund gegangen war und über umfangreiche Erfahrungen verfügte, erhielten wir Einblicke, die wir sonst nicht gehabt hätten. Wir konnten uns nicht mit „es geht einfach nicht“ herausreden, denn Mountain Equipment hatte bereits bewiesen, dass eine verbesserte Überprüfung der Lieferketten möglich war."

Für Mountain Equipment schien es absolut unangebracht, den Vorsprung auf Kosten der Ethik und des Tierschutzes auszunutzen: Wissen und Erkenntnisse zu teilen war der Schlüssel zum Erfolg.

Charles Ross stimmt zu, dass diese Zusammenarbeit entscheidend war: "Wie groß die Fortschritte auch sein mögen: Wichtig ist, dass alle [in der Branche] mitziehen. Die Rückverfolgbarkeit umzusetzen ist eine lange Reise, bei der es darauf ankommt, alle mitzunehmen. Jeder Hersteller muss problematische Prozesse abstellen – es bringt nichts, wenn nur eine einzige Marke das Ziel erreicht. Außerdem werden wir in dem Moment, in dem wir uns dem Ziel nähern, genug dazu gelernt haben, um zu erkennen, dass sich das Ziel erneut verschoben hat."

Mountain Equipment arbeitet nach wie vor mit anderen Marken und Organisationen zusammen. Wir treffen uns regelmäßig mit Vertretern unserer Lieferketten, mit Prüfern und mit Zertifizierungsstellen. Wenn es um das Wohlergehen von Tieren und die Rückverfolgbarkeit von Daunen geht, haben wir auch noch nie ein Gespräch mit einer konkurrierenden Outdoor-Marke abgelehnt. Beim Thema Tierschutz sollte es keine Konkurrenz geben!

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Qualitätsversprechen

Von Anfang an war es uns wichtig, dass Kunden Vertrauen in unsere Daunenprodukte haben können: Zum einen Vertrauen in die ethische Daunengewinnung, zum anderen in die Qualität und Fill Power (Bauschkraft) der Daune. Für Kunden war dieser Fill Power Wert lange Zeit das ultimative Maß für die Daunenqualität. Je höher die Zahl, umso besser sollte die Daune isolieren. Aber wenn ein Kunde eine Jacke kauft, ist es ihm praktisch unmöglich, die Qualität der Daune in exakt dieser Jacke zu bestimmen - es sei denn, er vertraut dem Etikett. Um unseren Kunden zusätzliche Informationen an die Hand zu geben, startete Mountain Equipment ein ehrgeiziges Projekt und nähte individuelle Codes zur Rückverfolgbarkeit der Daune in die Produkte ein. Diese zeigen an, woher die Daunen stammen und auch deren genaue Qualität und Zusammensetzung. Ähnliche Systeme gab es bereits in den Lieferketten für Merinowolle. Doch die Möglichkeit, individuelle Qualitätsberichte für jede einzelne Daunenlieferung zu erhalten, war brandneu.

Die Qualitäts-Schwankungen, denen ein Naturprodukt unterliegt, haben auch Herausforderungen mit sich gebracht. Wir geben immer eine Minimum Fill Power an: So bedeutet z.B. 700+ cuin, dass die Fill Power sicher höher als 700 cuin liegt. Gelegentlich entsprechen Testergebnisse nicht ganz den Erwartungen – im Positiven wie im Negativen. In einer Saison kauften wir Daune mit der Bezeichnung 'Super-Ente'. Diese Entendaune mit einer Fill Power von 700+ erzielte durchweg Werte von über 800 cuin und teilweise sogar von über 850 cuin.

Jedes Jahr testen wir Dutzende von Daunenchargen und haben erstaunlich wenig Probleme mit der Daunenqualität. In einem Fall wurden jedoch Daunen mit einer Füllkraft von 780 cuin statt der genannten 800+ cuin für die Füllung von Schlafsäcken verwendet. Das war natürlich mehr als ärgerlich. Wir beauftragten ein Testlabor, um die fertigen Schlafsäcke an einer Wärmepuppe zu testen. Diese 'minderwertige' aber natürlich immer noch extrem hochwertige Daune erzielte bei den standardisierten Tests eine gemessene Abweichung von 1°C. Diesen geringen Unterschied kann eine Person eigentlich nicht wahrnehmen. Dennoch mussten wir die gesamten Schlafsäcke als '2. Wahl' und mit einem wirtschaftlichen Verlust verkaufen.

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Echte Relevanz

Der DOWN CODEX® hat vor allem in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen – und diese Relevanz war entscheidend für unsere Motivation. Tom Strobl: "Zum Glück sind viele Konsumenten im deutschsprachigen Markt sehr sensibel bei ethischen Fragen rund um die Herkunft und Herstellung ihrer Produkte."

Die Bedeutung des DOWN CODEX® rechtfertigt den Aufwand, den wir betreiben. Wir etablierten ein teures und zeitaufwändiges System, das hunderte, wenn nicht tausende von Stunden für die Entwicklung des Standards und die Durchführung von Audits benötigt. Unsere Tests und die Rückverfolgbarkeit müssen den Anforderungen entsprechen. Dazu werden individuelle Codes erzeugt und die passenden Informationen online gestellt. Wäre der DOWN CODEX® nicht so wichtig für unsere Kunden und wären wir nicht selbst absolut davon überzeugt, das Richtige zu tun, könnten wir sowohl die Kosten als auch den Zeitaufwand nur schwer rechtfertigen.

In einigen Märkten sind Tierschutz und Rückverfolgbarkeit nach wie vor nicht unbedingt ein starkes Verkaufsargument. Es hängt weitgehend von der Einstellung und dem Wissensstand des einzelnen Kunden ab. Manche Kaufentscheidungen werden rein vom Image einer Marke beeinflusst, andere Kunden berücksichtigen ethische Faktoren bei ihren Einkäufen überhaupt nicht.

Ashley Gill von Textile Exchange stellt jedoch auch fest, dass unter erfahrenen Konsumenten die Anforderungen an Marken hinsichtlich Verantwortung und Engagement wachsen: "Die Verbraucher betrachten diese Themen auf eine viel differenziertere Weise als noch vor fünf Jahren. Wenn ein Unternehmen ein Versprechen gibt, erwartet der Kunde, dass er sehen kann, wie dieses Versprechen auch erfüllt wird."

Aber am anderen Ende der Skala sind viele Konsumenten auch noch blind für mögliche, ethische Bedenken. Entweder leben sie in seliger Unwissenheit oder ignorieren die Themen ganz einfach.

Katy Stevens: "Ich glaube nicht, dass viele Kunden überhaupt wissen, dass es potenzielle Probleme mit der Federn- und Daunengewinnung gibt oder worin diese bestehen. Geschweige denn, dass sie sich über ethische Aspekte Gedanken machen. Ich vermute, dass die meisten Menschen davon ausgehen, dass es sich einfach um ein Nebenprodukt der Fleischerzeugung handelt – nur Wenige denken darüber nach, was es für das Wohlergehen der Tiere bedeuten könnte."

Die Medien spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Informationen rund um die ethische Landwirtschaft. Aktuell gehören die Themen Mikroplastik und Plastikmüll zu den Top-Themen. Dennoch verschwinden die Probleme der Daunengewinnung nicht, nur weil sie aktuell keine Zeitungsspalten füllen.

Jane Turnbull: "Ich habe das Gefühl, dass bestimmte Standards wie der DOWN CODEX® und auch der RWS [Responsible Wool Standard] eher zu grundlegenden Anforderungen werden, als ein exklusiver Luxus zu sein... Der Verbraucher erwartet heute einfach, dass seine Daunen nachverfolgbar sind."

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Positiver Einfluss

Nach dem großen Aufruhr um das Thema Lebendrupf im Jahr 2012 war es nicht überraschend, dass der DOWN CODEX® bald durch weitere Daunen- und Rückverfolgbarkeitsstandards ergänzt würde. Auf einer internen Veranstaltung von Mountain Equipment präsentierte Produktmanager Richard Talbot eine Zusammenfassung der Entwicklungen rund um den DOWN CODEX®. Der Titel war 'Wir sind nicht allein'. Er listete die verschiedenen anderen Daunenstandards auf, die damals existierten - den Responsible Down Standard (RDS), den Traceable Down Standard (TDS) und den Down Pass. Alle diese Standards wurden vom DOWN CODEX® beeinflusst - aber sie halfen der Outdoor-Industrie im Ganzen. Daher wurden sie als Verbündete und nicht als Konkurrenten angesehen. Tom Strobl schätzt diese Entwicklung sehr: "Zur Existenz anderer Daunenstandards muss ich sagen: Ich bin stolz darauf, dass unser DOWN CODEX® eine ganze Branche beeinflusst hat. Es ist das Beste, was passieren konnte."

Und es hat nicht nur die Outdoor-Industrie - also Charles Ross' Hundeschwanz - beeinflusst, sondern den ganzen Hund, wie Charles erklärt: "Auch die Bettwarenindustrie achtet jetzt auf die Herkunft der Füllung in ihren Produkten. Außerdem beginnen die Verbraucher zu begreifen, dass es in der Verantwortung einer Marke liegt, darüber Bescheid zu wissen und auch erforderliche Verbesserungen vorzunehmen."

In gewisser Weise ist dies der größte Erfolg des DOWN CODEX®, denn der Einfluss der Bettwarenindustrie ist riesig: Wenn große Einzelhändler anfangen, Daunenprodukte nachzufragen, die mit einem Siegel für 'ethische Daunen' versehen sind – egal, ob RDS, Down Pass oder DOWN CODEX® darauf steht - dann ist mehr für die Tiere gewonnen, als wenn relativ kleine Marken wie Mountain Equipment diese Änderungen allein umsetzen.

Der Ausbau mehrerer unterschiedlicher Standards ist jedoch nicht nur positiv: Für Kunden ist die Lage verwirrend und fast unmöglich, die Unterschiede zwischen den Standards zu verstehen. Auch die Auditierung von Lieferketten kann zu einer Herausforderung werden: Landwirte werden in einer Woche für den RDS und in der nächsten Woche für den DOWN CODEX® auditiert. Sie durchlaufen zahlreiche Prozesse mit teils nur minimal unterschiedlichen Anforderungen - und das alles für ein paar Daunen, die nur einen Bruchteil des Fleischertrages eines Tieres einbringen. Da kann schon so etwas wie 'Audit-Müdigkeit' aufkommen.

Ashley Gill erklärt die Vorteile eines einzigen unabhängigen Standards: "Wenn wir von allen Lieferanten verlangen, dieselben Anforderungen zu erfüllen, können sie weniger Zeit dafür aufwenden, unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden und dafür mehr in kontinuierliche Verbesserungen investieren."

Seit einiger Zeit ist die Rede davon, einige Daunenstandards zusammenzulegen, damit es nur noch ein einziges Siegel gibt. Aber bei Standards passiert das äußerst selten. Bei der Bestimmung der Atmungsaktivität eines Stoffes gibt es ebenfalls ein Dutzend verschiedener Standards, die alles andere als standardisiert sind. Daher werden wir wohl auch in absehbarer Zukunft noch mit zahlreichen Daunenstandards weitermachen.

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Zukunftsaussichten

Trotz der zahlreichen Veränderungen, die die Branche im letzten Jahrzehnt durchgemacht hat, gibt es immer noch viel zu tun. Auf die Frage, was die größte Herausforderung für die Branche ist, antwortet Tom Strobl: „Ehrlichkeit ist nach wie vor essentiell. Leider gibt es eine Menge verschiedener Labels. Nicht alle sagen das Gleiche aus - einige sind eigentlich nur 'Greenwashing'. Die Materialbeschaffung, besonders bei Daune, ist eine sehr komplexe Aufgabe. Bei unseren Daunenlieferanten müssen wir immer aufmerksam bleiben."

Alle Nachhaltigkeitsprojekte müssen bedenken, dass es immer schwieriger wird, echten Fortschritt im 'Marketing-Getöse' und dessen Streben nach Aufmerksamkeit zu erkennen. Greenwashing stellt Umweltthemen zwar mutig in den Vordergrund, aber oft werden die Themen hinter übertriebenen Behauptungen oder teils sogar Lügen versteckt. Die wahren Botschaften gehen verloren und Verbraucher wissen nicht mehr, was und wem sie glauben sollen. Wenn Umwelt- und Nachhaltigkeitsbotschaften für Unternehmen nur eine weitere Möglichkeit sind, mehr Produkte zu verkaufen, dann haben sie eigentlich versagt.

Katy Stevens und Jane Turnbull von der European Outdoor Group sind sich einig, dass bessere Lebensbedingungen für Tiere der Schlüssel zu zukünftigen Fortschritten in der Daunenindustrie sind: "Es gibt immer noch viel zu tun: Was ist eine 'humane Schlachtung' und was bedeuten 'gute Bedingungen' wirklich? Die Verbesserung der täglichen Lebensbedingungen und des Wohlergehens von Enten und Gänsen ist ein wichtiges Thema, das noch viel mehr Arbeit und Aufmerksamkeit erfordert." Auch Mountain Equipment ist der Meinung, dass dies kritische Themen sind, denen man mit strengeren und anspruchsvolleren Standards begegnen muss.

Was die Zukunft des DOWN CODEX® betrifft, so wird sich die Kernaussage in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht ändern. Die zentralen Werte wurden vor über zehn Jahren im Dokument 'Gans im Glück' von Mountain Equipment niedergeschrieben und sind nach wie vor essentiell:

Gans im Glück Projekt

Mit Dank an Ashley Gill von Textile Exchange, Katy Stevens und Jane Turnbull von der European Outdoor Group sowie Charles Ross vom Royal College of Art.


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