Dauerhafte Nachhaltigkeit

Dauerhafte Nachhaltigkeit

Wie steht es um die Umweltauswirkungen unserer wasserdichten Produkte?

Text: Tom Hill

Der freiberufliche Outdoor-Autor Tom Hill will herausfinden, was Mountain Equipment und Gore gemeinsam unternehmen, um die Umweltauswirkungen von wasserdichter Bekleidung zu minimieren, und was wir alle beitragen können, um die Umwelt bei unseren Outdoor-Aktivitäten zu schonen.

„Keine Spuren hinterlassen“ ist die oberste Regel für jeden Outdoor-Fan. Menschen, die gerne in der unberührten, wilden Natur unterwegs sind, schätzen diese wertvollen, fragilen und bedrohten Flecken Erde vielleicht noch mehr als andere.

Die Auswirkungen menschlichen Handelns auf unsere Umwelt – vom Klimawandel bis zu Mikroplastik und Ressourcenverknappung – sind inzwischen allgegenwärtig. Die überwältigende Mehrheit von uns hat verstanden, dass wir unsere Lebensweise ändern müssen, angefangen bei unserem Konsumverhalten über die Wahl des Verkehrsmittels bis hin zur Reduzierung unseres Energieverbrauchs.

Das bringt uns als Outdoor-Fans in eine paradoxe Situation, zumindest fühlt es sich für mich so an: Durch meine Abenteuer in der Natur, die ich so liebe, trage ich auf gewisse Weise auch dazu bei, dass die Umwelt bedroht ist. Die CO2-Emissionen, die bei den Autofahrten in die Berge und bei der Herstellung meiner Outdoor-Ausrüstung entstehen, summieren sich. Was also kann ich persönlich dagegen tun und worauf sollte ich achten, wenn ich das nächste Mal neue Ausrüstung kaufe?

 

Große Fragen – und die Suche nach Antworten

Angesichts dieser wichtigen Fragen entschloss ich mich, meinen Fokus auf nur ein Kleidungsstück zu legen, und zwar eines, das jeder Outdoor-Sportler besitzt: eine wasserdichte Jacke. Ich wollte mehr darüber erfahren,  was für Auswirkungen eine solche Jacke auf die Umwelt hat – und zwar über die gesamte Lebensdauer, von der Herstellung bis zur Pflege. Außerdem wollte ich herausfinden, ob irgendetwas unternommen wird, um diese Umweltbelastung zu reduzieren, und was ich persönlich dazu beitragen kann. Da ich von alledem nicht wirklich eine Ahnung hatte, habe ich dafür die Hilfe von Experten eingeholt. Ich setzte mich also mit dem langjährigen GORE-TEX-Markenpartner Mountain Equipment in Verbindung, um mich auf den neuesten Stand zu bringen und herauszufinden, was die beiden Firmen gemeinsam unternehmen, um mit neuen Ansätzen die Umweltauswirkung ihrer Produkte zu reduzieren.

Wenn wir uns wissenschaftlich mit dem Thema wasserdichte Materialien befassen, ist Dr. Philippa Hill nicht nur eine Expertin, sie ist die Expertin schlechthin, besonders in Bezug auf die dauerhaft wasserabweisende Imprägnierung DWR (kurz für Durable Water Repellent). Sie ist der einzige Mensch auf der Welt mit einem Doktor in DWR speziell für Outdoor-Bekleidung. Aber nicht nur das – seit kurzem ist sie auch Nachhaltigkeitsmanagerin bei Mountain Equipment. Und wie sich herausstellt, stellt sich Mountain Equipment die gleichen Fragen wie ich, nur eben auf Unternehmensebene.

„Meine Aufgabe ist es, unseren gesamten Geschäftsbetrieb zu betrachten, von den Büroräumen bis zu unseren Herstellungsprozessen und unserer Lieferkette. Im Fokus stehen für Mountain Equipment dabei die Auswirkung unserer Produkte und die Herstellungsprozesse entlang unserer Lieferkette“, erklärt Philippa.

„Mountain Equipment nutzt den von der Sustainable Apparel Coalition (SAC) entwickelten Higg-Index, um den CO2-Fußabdruck unserer Produkte und ihrer Herstellung nachvollziehen zu können. Der Index ist ein transparentes und kollaboratives Tool, das Vergleiche ermöglicht und von vielen unserer Partner – darunter auch Gore – verwendet wird, sodass wir gemeinsam mit dieser Datenbasis arbeiten können.“

„Wir arbeiten uns noch durch den Prozess, aber sobald wir unsere Bewertung abgeschlossen haben, werden wir die Ergebnisse veröffentlichen und Maßnahmen zur Reduktion unserer CO2-Emissionen auf den Weg bringen.“

 

Was kann jeder Einzelne tun?

Am Gespräch nimmt auch Kerry Mellor teil, Koordinatorin für Social Media und Digital Content bei Mountain Equipment. Ich will wissen, was ich persönlich tun kann, um die Umweltauswirkungen meiner Bekleidung zu minimieren. „Am allerwichtigsten ist es, dass du deine Ausrüstung gut pflegst“, antwortet Kerry. „Wir haben intensiv daran gearbeitet, unsere Wasch- und Pflegeanleitungen zu vereinfachen. Die Symbole, die wir auf die Bekleidungsetiketten drucken, sagen dir im Prinzip, was du tun kannst, aber nicht unbedingt, was wichtig oder am besten ist. Man kann beispielsweise die meisten unserer Baselayers bügeln, aber eigentlich ist das total überflüssig und verbraucht nur unnötig Energie.“

„Bei wasserdichter Bekleidung gibt es jedoch ein paar Dinge, die du unbedingt tun solltest. Moderne Membranen funktionieren am besten, wenn sie sauber und gut gepflegt sind. Selbst eine Jacke, die fast immer im Rucksack steckt, nimmt Schmutz auf und verliert ihre DWR-Imprägnierung. Ich habe Freunde, die Angst davor haben, ihre Jacken zu waschen, weil sie befürchten, dass die Funktion dabei verloren geht. Tatsächlich aber wird die Funktion deiner Jacke durch die richtige Wäsche und Pflege sogar verbessert und die Lebensdauer verlängert. Bei starkem Gebrauch – etwa berufsbedingt, zum Beispiel wenn du Bergführer bist – hast du natürlich eine viel höhere Beanspruchung des Kleidungsstücks als der Durchschnitt. Aus diesem Grund haben wir eine spezielle Pflegeanleitung für professionelle Nutzer verfasst, die auch Ideen wie das rotierende bzw. abwechselnde Tragen von Bekleidung beinhaltet, um die Lebensdauer zu verlängern.“

Damit spricht Kerry den wichtigsten Punkt an, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Die beste Möglichkeit für uns persönlich, unsere Umweltauswirkungen zu minimieren, ist weniger zu konsumieren.

Gore hat das sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Das Life Cycle Assessment (LCA) einer GORE-TEX Jacke zeigt, dass der ökologische Fußabdruck in Produktion und Vertrieb am höchsten ist (hierbei entstehen 64 % der CO2-Emissionen). Das Waschen und Trocknen sowie die Entsorgung der Jacke haben hingegen eine geringere Auswirkung auf die Umwelt.

Neben der regelmäßigen Pflege der Bekleidung sollten wir also auch lernen, Abnutzungs- und Verschleißerscheinungen zu akzeptieren. „Ein Loch oder Riss in einer alten Jacke ist nichts weiter als eine sichtbare Erinnerung“, so Kerry. „Ich finde es toll, wenn ich in den Bergen unterwegs bin und jemanden in einer wirklich alten Jacke von ME sehe.“

Kleinere Beschädigungen kann man daheim selbst reparieren und für größere gibt es immer mehr Anbieter und Reparaturzentren. Und schließlich können wir bei einer Neuanschaffung unsere Kaufentscheidung mit Bedacht treffen.

 

Was soll ich kaufen?

Sowohl Kerry als auch Philippa ist es wichtig hervorzuheben, dass Mountain Equipment seinen Schwerpunkt vor allem auf leistungsstarke, technische Bekleidung legt, die robust und langlebig ist. Ein entscheidender Aspekt ist dabei ein haltbares und leistungsstarkes Außenmaterial. Und genau das steht auch im Mittelpunkt der Philosophie von Gore: Produkte zu entwickeln, die für den vorgesehenen Zweck geeignet sind und über eine lange Lebensdauer dauerhaft optimale Leistung bringen.

Kerry betont, dass „GORE-TEX zwar keine billige Technologie ist, aber hervorragend funktioniert. In Kombination mit den richtigen technischen Eigenschaften, erhält man eine fantastische Jacke, die über sehr lange Zeit gute Dienste erweisen wird.“

Und jemand wie ich, der gerne zum Laufen, Mountainbiken und Bergsteigen geht und es generell einfach liebt, draußen in der Natur aktiv zu sein, bevorzugt natürlich Bekleidung, die bei allen Aktivitäten getragen werden kann. Auch sportartspezifische Designmerkmale können für verschiedene Aktivitäten vorteilhaft sein. Ein gutes Ärmeldesign ist beispielsweise beim Klettern ebenso hilfreich wie auf dem Mountainbike.

 

Ein Ausflug in die Welt der Chemie

Und wenn wir noch einen Schritt weiter gehen und den ökologischen Fußabdruck unserer Bekleidung insgesamt reduzieren wollen? Philippa entführt mich dazu in die Welt der Chemie und Geschichte.

„DWR-Imprägnierungen sind absolut wesentlich für die Funktion von Membranjacken. Ihre Funktionsweise hat mit Chemie zu tun. Bis zum Jahr 2000 wurden für DWR-Imprägnierungen langkettige (C8) Fluorcarbone (PFC) verwendet. Seit 2000 ist die Branche auf kürzerkettige (C6) Fluorcarbone umgestiegen, vor allem aufgrund von gesetzlichen Vorgaben. Diese sind weniger umweltschädlich, wobei es auch hier noch Verbesserungspotenzial gibt.“

„Inzwischen sind Optionen verfügbar, die ohne Fluorcarbone auskommen, aber damit diese die Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit von aktuellen Produkten erreichen, sind innovative chemische Lösungen erforderlich, was eine große Herausforderung ist. Ähnliche Herausforderungen stellen sich bei den Färbeverfahren und der Wiederverwertbarkeit am Ende der Lebensdauer. Die ganze Branche geht in die richtige Richtung und arbeitet hart daran, hierfür Lösungen zu finden. Wir haben inzwischen zwei Jacken im Programm – die Makalu und die Rupal –, die aus GORE-TEX Material mit PFC-freier DWR-Imprägnierung gefertigt sind. Die Makalu ist noch dazu aus recyceltem GORE-TEX Material.“

Und damit hat sie natürlich die wahre Herausforderung angesprochen. Die Funktionalität von Outdoor-Bekleidung ist für die meisten von uns kein „nice to have“. Unter den richtigen (oder falschen) Bedingungen macht unsere Bekleidung und ihre Funktionalität zumindest den Unterschied zwischen einem tollen und einem miserablen Tag – und gelegentlich sogar zwischen Leben und Tod.

 

Die Zukunft

Wie in so vielen anderen Bereichen unseres Lebens auch, gibt es beim Bemühen, die Umwelt weniger zu belasten, kein Schwarz und Weiß – und ganz sicher auch keine schnelle Lösung. Aber neben all dem, was wir mit unseren Entscheidungen persönlich in der Hand haben, ist es ermutigend zu hören, dass Unternehmen wie Mountain Equipment und Gore die Frage der Umweltverträglichkeit ernst nehmen und sie in den Mittelpunkt ihrer – und unserer – Zukunft stellen.

Ich bin schon sehr gespannt, welche technologischen Innovationen die Zukunft noch bringen wird, aber bis dahin werde ich meine jetzige Bekleidung weiterhin pflegen und auch sonst alles tun, um meinen ökologischen Fußabdruck bei meinen Outdoor-Aktivitäten zu minimieren.

 

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