USA – das gelobte Land des Risskletterns. Schon vor vielen Jahren sahen wir zum ersten Mal die Bilder vom legendären Wolfgang Güllich, wie er ohne Seil, nur in knappen Shorts an der Dachkante, im horizontalen Riss von Separate Reality hängt. Oder die Aufnahmen von Catherine Destivelle, wie sie elegant die perfekt symmetrische Verschneidung am Devils Tower hinaufspreizt.

Seit dieser Zeit waren wir fasziniert von den USA als Kletter-Destination. Da die Vereinigten Staaten flächenmäßig fast so groß wie Europa sind, wählten wir als Ziel für unseren Kletter-Roadtrip den Westen, wo mit Indian Creek und den beiden Nationalparks Zion und Yosemite einige der besten Spots zum Riss- und Tradklettern sind.

Nach einem langen Flug landeten wir in Salt Lake City, der Hauptstadt des Bundestaates Utah und der Mormonen. Über 60 Prozent der Bevölkerung gehört hier dieser Glaubensgruppe an. Und das merkt man auch, wenn man das Radio einschaltet. Neben Countrymusik gibt es vor allem Bibelsender, in denen versucht wird, die Autofahrer zum rechten Glauben zu bekehren.

Wir ließen uns aber nicht beirren und starteten in Indian Creek, in der Nähe von Moab, knapp vier Autostunden südöstlich von Salt Lake City. Von unserem Kletter-Führer wird Indian Creek ganz bescheiden als „The US-capital of crack-climbing“ angepriesen.

 

Wer hier ankommt, merkt schnell, dass Bescheidenheit in Bezug auf die Gebietsqualität hier auch völlig fehl am Platz wäre: Perfektere Risse sind kaum vorstellbar. Als hätte eine Riese vor Jahrtausenden von Jahren die Risse mit einem überdimensionalen Brotmesser in den rotbraunen Fels geschnitten, schießt hier ein perfekter Splitter neben dem anderen in den meist makellos blauen Himmel.

Neben vielen sehr schönen Handrissen, gibt es hier auch einige Fingerriss-Testpieces wie Ruby’s Cafe (5.13a) oder Death of a Cowboy (5.13a), denen Dario eine Rotpunktbegehung abringen kann.

Nach ungefähr einer Woche ist die Haut an den Händen trotz der Tape-Handschuhe sehr dünn geworden und die Finger sehen aus, als wären sie durch einen Fleischwolf gedreht worden.

 

Wir verlassen Indian Creek und fahren weiter in den weltberühmten Zion Nationalpark. Wie eine Sandsteinversion des noch berühmteren Yosemite Nationalparks thront der Zion im Süden Utahs an der Grenze zu Arizona. Sowohl der Name des Parks, als auch die Namen vieler Wände bzw. der einzelnen Berge und Wände sind der Mormonenbibel entlehnt und so geht es gleich am Anfang zum Temple of Sinawawa. Hier können wir den genialen Monkeyfinger (5.12a) klettern.

Nach einigen weiteren Touren wie Sheer Lunacy und Iron Messiah verlassen wir den nun doch schon sehr warmen, sommerlichen Zion Nationalpark und düsen vorbei an Las Vegas, durch das wüstenähnliche Nevada nach Bishop, am östlichen Fuß der Sierra Nevada.

Was für den amerikanischen Risskletterer Indian Creek ist, ist für den Boulderer wohl Bishop. Hier hat der liebe Gott vor der atemberaubenden Kulisse der schneeweißen Sierra Nevada

unzählige Granitblöcke verstreut. Und fast alle lassen sich perfekt beklettern. Auch wenn man als Europäer bei manchen Blöcken wohl eher an ein Seil, als an ein Crashpad denken würde. Die höchsten Boulder sind bis zu 15 Meter hoch und lassen ein Abspringen nur mehr als hypothetische Option zu.

Aber man findet auch unzählige Boulder mit humaner Ausstiegshöhe, die sich auch mit nur einem Crashpad mit vertretbarem Risiko „bekraxeln“ lassen.

Nach superschönen Tagen in Happy Boulders und den Buttermilks, den wohl besten Bouldergebieten um Bishop, geht es weiter ins Yosemite.

 

Der Name Yosemite bringt wohl jeden Alpinkletterer ins Träumen und das Yosemite Valley mit seinen wild schäumenden Wasserfällen, den grünen Wiesen, durch die sich der Merced River windet und den unverkennbaren Granitmonolithen Half Dome und El Cap kommt dem Paradies wohl schon ziemlich nahe. Auch wenn das Wetter für kalifornische Verhältnisse erstaunlich instabil ist und es immer wieder regnet, können wir einige Weltklassetouren wie das Crucifix und den Freeblast klettern.

Nachdem sich das Wetter im Yosemite weiterhin launisch gibt und sich kein wirkliches Hoch einstellen will, fahren wir gegen Ende unserer Reise noch nach Smith Rocks in Oregon, gute zehn Autostunden nördlich vom Yosemite Nationalpark. Smith Rocks war Mitte der Achtziger Jahre der Ausgangspunkt der amerikanischen Sportkletterbewegung. Auch wenn Smith Rocks

jetzt nicht mehr das Epizentrum des amerikanischen Sportkletterns ist und sich Chris Sharma und Co mittlerweile lieber in Spanien vergnügen, gibt es immer noch unzählige fantastische Sportkletterrouten im roten Vulkangestein.

 

Nach fünf wunderschönen Tagen in Oregon geht es mit einer neunstündigen Autofahrt zurück nach San Francisco, wo wir eine fantastische Reise mit unzähligen schönen Klettermetern und vielen netten Begegnungen mit anderen Kletterern und Amerikanern ausklingen lassen.

Und nach fünf Wochen vorwiegend Rissklettern freuen wir uns auch schon wieder auf die heimische Wandkletterei.

 

fotos: Charlie & Dario

 

 

 

Charlotte Gild

Charlotte is a passionate climber, mountaineer and geographer living in Innsbruck in the heart of the Austrian Alps. ‘Charlie’ spent three years with the German Alpine Club (DAV) Women’s Expedition Team from 2011-2013 and has climbed extensively throughout the Alps as well as the US and the Indian Himalaya. A member of the Mountain Equipment Pro Team since 2013 Charlie has recently been enjoying some winter alpine test pieces including Crack Baby, Moonwalk and the Eiger Nordwand. She is currently training to become a mountain guide..

 

 

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