24. März 2017

IN DEN BERGEN SCHLAFEN: 6 TIPPS

von Tom Richardson

 

Manche bezeichnen mich als besessen, aber ich würde mich eher als einen sehr enthusiastischen Kletterer und Expeditionsbergsteiger bezeichnen. Seit über 40 Jahren habe ich das große Glück, zusammen mit Freunden, Einheimischen und Kunden die großen Berge der Welt zu besteigen – und bin gerade dabei zu meiner 110. Expedition aufzubrechen (ich habe gerade alle zusammengezählt).

Die nächste Expedition führt mich ins Karakorum Gebirge in Pakistan. Wir gehen über den Baltoro Gletscher zum Concordia in der Nähe des K2 hinauf und überqueren dann den hohen und immer technischeren Gondogoro La Pass, bis hinauf ins wunderschöne Hushe Tal. Ich kann’s kaum erwarten.

 

In den letzten vier Jahrzehnten habe ich viele Nächte in vielen verschiedenen Schlafsäcken verbracht. Es ist immer gut gegangen. Die Nacht im offenen Bivi in einer Schneehöhle am Karakorum Gipfel, die ich vor Kälte zitternd in einem schweren Kunstfaserschlafsack verbracht habe, währen Joe Simpson und ein anderer Freund in ihren gemütlichen Daunenschlafsäcken schnarchend neben mir lagen, werde ich nie vergessen. In einer anderen Nacht am Everest Nordgrat, die mir immer noch etwas peinlich ist, habe ich meine Pinkelflasche im Expeditionsschlafsack benutzt, aber die Details lass ich lieber weg.

Ausruhen und Schlafen ist auf Expedition für die Erholung und auch für die mentale und körperliche Gesundheit essentiell. Hier sind sechs Tipps für einen guten Schlaf in den Bergen:

1. Wähle den richtigen Schlafsack. Andy Kirkpatrick hat es nicht besonders hilfreich aber zutreffend ausgedrückt, als er sagte: Der ideale Schlafsack ist einer, der nicht so kalt ist, dass man stirbt aber auch nicht so warm, dass man am Morgen nicht aus dem Bett will. Je wärmer der Schlafsack, desto mehr Gewicht muss man außerdem tragen. Ich persönlich finde einen Schlafsack mit 700g hochwertiger Daune einen guten Kompromiss für viele Situationen. Einen großen, weiten Schlafsack würde ich nicht nehmen, außer man will im Daunenanzug darin schlafen. Wenn der Schlafsack zu weit ist, hat man im Inneren so viel kalte Luft, dass er sehr viel kälter ist als erwartet

Achte darauf, hinsichtlich Füllung, Material und Design nur das Beste zu kaufen. Pflege den Schlafsack gut indem du ihn unterwegs und daheim immer gut lüftest. Benutze den Packsack nur unterwegs, niemals zur Aufbewahrung. Halte den Schlafsack im Rucksack trocken und packe ihn in ein separates Fach. Nach einiger Zeit sollte man den Schlafsack waschen, am besten in einer Reinigung, die sich auf Schlafsäcke spezialisiert. Daune funktioniert besser wenn sie sauber ist. Selber waschen kann eine teure Angelegenheit werden – glaub mir ich weiß wovon ich rede (Mountain Equipment Pflegehinweise für Daunenschlafsäcke gibt es hier).

2. Isoliere den Boden. Ich hab schon einige Nächte im Gebirge ohne Schlafsack verbracht. Das kann ziemlich bitter sein. Es wäre allerdings um einiges schlimmer, ohne Matte auf dem blanken Untergrund zu schlafen. Aufblasbare Matten sind bequem, aber sie können leicht kaputt gehen und man muss irgendwie Luft hinein bekommen. Wenn man zum Aufblasen den eigenen Atem oder eine Luftpumpe benutzen muss, kann das in der Höhe oder bei Erschöpfung ganz schön anstrengend sein. EVA-Schaum ist eine gute Lösung. Die allgegenwärtige, gelbe Isomatte (früher als Karrimat bekannt, heißt jetzt Multimat) ist günstig und man kann sie zerschneiden und mit Gaffer Tape im Zick Zack zusammenkleben, damit sie in den Rucksack passt und man sie nicht zusammengerollt außen am Rucksack tragen muss. Alternativ kann man auch eine dieser Eierschachtel Isomatten benutzen. Wenn man am Gletscher oder im Schnee unterwegs ist, nimmt man am besten noch extra Schaumunterlage für Hüften und Schulter mit.

 

3. . Immer Ausruhen, wenn’s geht. Ein Nachmittagsschlaf nach Ankunft im Basislager wenn die Sonne noch auf das Zelt scheint, ist ausgezeichnet und sehr regenerativ. Am Abend hilft es, den Schlafsack vorzuwärmen, am besten mit einer (dichten) Flasche mit heißem Wasser. Dann hat man nachts auch gleich was zu trinken. Vermeide es, in der Nacht das Zelt zu verlassen. Es kann gefährlich sein und man verliert enorm viel Körperwärme.

4. Die richtige Bekleidung. Es ist verlockend, den Innenschuh im Schlafsack anzubehalten. Das funktioniert aber nicht, denn obwohl die Füße warm bleiben, werden sie auch feucht und kühlen sehr schnell aus. Besser ist es, frische, trockene Socken anzuziehen und den Innenschuh und die feuchten Socken zum Trocknen mit in den Schlafsack zu nehmen. Immer mit Bekleidung im Schlafsack schlafen und eine Mütze aufsetzen.

5. Achte auf den Spalt. Wenn du es jemals für eine gute Idee gehalten hast, zwei Schlafsäcke zusammen zu zippen, um Platz und Wärme mit deinem Partner zu teilen, mach’s lieber nicht. Zwei Schlafsäcke zusammen sind immer kälter als ein Einzelner, weil man den Spalt zwischen den Schultern nicht schließen kann. Der amerikanische Extrembergsteiger Steve House hat mal empfohlen, sich zu zweit einen Schlafsack mit offenem Reißverschluss als Decke zu teilen, weil man sich dann besser einwickeln kann. Das könnte allerdings kritisch werden, wenn die Nacht hereinbricht, man eine Seillänge voneinander entfernt ist oder man keinen Platz findet, auf den zwei Leute nebeneinander passen. Aber das ist eh fortgeschrittenes Biwakieren und sollte nur zum Einsatz kommen, wenn man der gleichen Meinung ist. Viel besser ist es, einen Schlafsack, eine Matte und einen superleichten Schutz dabei zu haben, nur für den Fall.

6. Lüften. Es ist verlockend, das Zelt komplett dicht zu machen, wenn es draußen kalt und windig ist. Besser ist es aber, Belüftungsschlitze offenzuhalten, damit die Luft zirkulieren kann. Da schläft man nicht nur besser durch ausreichende Sauerstoffzufuhr und verringert das Risiko von Höhenkopfschmerzen, sondern reduziert auch die Kondensationsfeuchtigkeit im Zelt, vor allem in Einwand-Zelten.